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Gteichgiltigkelt, ein Spiegelbild der Exaltation. Sie iſt, zumal für einen Beamten von achthundert Gulden, vor der Hochzeit, ein nicht zu billi⸗ gender Luxus, erfunden von vorne herein, den ſüßen Frieden des Haupt ſtan⸗ des zu untergraben z n ach derſelben aber eine Frucht, die das Herz labt, und den Magen erſtärkt.“
Hier endete meine verſtändliche Seele. Ich gab ihren Vorſtellungen und Meinungen Gehör, und baſirte meine Lei denſchaft auf einen ſolideren Grund, nämlich auf den himmelpfortiſchen, auf wel chem das Haus meiner Dulceinea ſteht, und ſchloß mit der lieblichen Grund- und Bodenbeſizerin das Band der
„Ehe, das gegenwärtig ein erhöhtes Einkommen von meiner Seite, und ein, um ein Stokwerk erhöhtes Haus von der ihrigen, worauf ich primo loco vor; gemerkt bin, mit Noſen der Zufriedenheit und mit ein Paar bausbakenen Schreihälſen umflicht. So kam ich zu einer Frau.
C. W. Koch.
Leute, die keine Doſe führen.
Der Tabak iſt eine Art von Freimaurerei für die Schnupfer: Nichtſchnu⸗ pfende werden nie zu der Höhe gelangen, das Weſen Jener zu verſtehen und zu begreifen, verdienen es auch gar nicht. Es iſt(für ſie) wie die Muſik für Taube, der Tanz für Lahme, die Malerei für Blinde. Aus der Erfahrung der Erſteren fließt die Bemerkung, daß es eben ſo viele Typen oder Charak⸗ tere von Schnupfen gibt, als Typen und Charaktere in einem zahlreichen Frauenkreiſe, oder Gattungen von Roſen in den Beeten eines Blumiſten. Die Sekte der Schnupfer hat, wie alle möglichen ſozialen Kathegor tien, ihre Re⸗ negaten, ihre falſchen Brüder. Wenn ſie nur irgend eine Doſe haben, mag ſie ausſehen, wie ſie will. So iſt Ihnen auf Ihrem Lebenswege ſicher einmal Derjenige in den Wurf gekommen, welcher keine Doſe führt, nichtsdeſtoweniger aber unbändig viel Tabak ſchnupft— eine Hummel, eine innerliche, ſchleichende Geißel und Landplage, eine Art von autoriſirten Ro⸗ bert Macaire. Er begegnet Ihnen auf dem Trottoir, die erſte Frage, die er Ihnen ſtellt, iſt nicht: wie Sie oder Ihre Frau ſich befinden— nein, ſie lautet unfehlbar:„haben Sie eine Priſe?“ Wir wiſſen nun zwar, daß es gar nichts auf ſich hat, einem vertrauten Freunde 25 Louisd'or, ein Fuhr— werk, einen Jagdhund(oder was er ſonſt von uns entlehnen will) zu verſa⸗ gen, aber ſchiklicher Weiſe kann man ihm eine Priſe Tabak nicht verweigern. Der loſe Hecht weiß das und macht es ſich zu Nuze, um ſich in Ihrer Doſe feſtzuſezen, darin den Meiſter zu ſpielen und Rechte auszuüben; er verfolgt Sie, und plänkelt mit Ihnen ſo lange, bis es ihm gelingt, mit ſeinen un⸗ geheuern Fingern in Ihrer kleinen Doſe zu waten und zu wühlen. Keiner hat das Talent mit einer Pr iſe mehr Tabak aufzugreifen und auszu⸗ heben, als der Mann, der keine Doſe führt— ich nenne es Naub und Plün⸗ derung, ſchnöden Fang, Freibeuterei. Bei dem Allen iſt er ſanftmüthig, ſchüchtern und koſend wie die Liebe in den Roſentagen der Jugend.— Sagen Sie ihm nichts vom Anſchaffen einer Doſe, denken Sie nicht daran, ihm, ſei es aus bloßer Güte, oder ſelbſt aus ökonomiſchen Gründen, ein Geſchenk da⸗ mit machen zu wollen... denn alsdann würde der Tabak keinen Werth, keinen


