Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
772
 
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thn Strafgelder and einige Tage Gefängniß erkannt werden. Ja bisweilen iſt das Urtheil noch ſtrenger. Wenn man beweiſen kann, daß der Tod des Pa⸗ tienten dem Verſehen des Doktors unmittelbar zur Laſt gelegt werden kann, ſo ſieht er ſich der Gefahr ausgeſezt, als Mörder angeklagt zu werden.

Wird der Kranke geheilt, ſo verfährt man auf andere Weiſe. Der Arzt muß beweiſen, daß er die Heilung durch die paſſendſten Mittel der Wiſſen⸗ ſchaft herbeigeführt und die Krankheit die ihr gewöhnlich zugeſchriebene Jauer nicht überſchritten hat. Die Natur wird in der ganzen Sache für nichts ge⸗ rechnet. Gelingt es den Verwandten zu beweiſen, daß die Krankheit lange währte, ſo wird der Arzt angeklagt, das Uebel in der Abſicht verſchlimmert zu haben, mehr zu erhalten, und als Dieb beſtraft.

Das Land, wo die Aerzte eine ſo ſchlechte Stellung haben, iſt China.

Das Fräulein.

Ich weiß ein Fräulen: ins Theater Geht ſie mit euch und ins Konzert; Ein jeder Ort hat ſeinen Prater,

Sie ſucht ihn auf und geht und fährt; Ihr braucht ſie wahrlich nicht zu bitten 0 Sie kommt von ſelbſt zu jedem Ball,

Auch fehlt ſie nicht in den Viſiten, Obſchon verachtet überall; Doch daß ſie nicht auch uns ereile, Sogar bei dieſen Verſen hier, Erlaubt nur noch die Frage mir: Wie heißt das Fräulein?

Langeweile.

Theater.

Peſt h.(Kean, Luſtſpiel v. Alexander Dumas.) Lange ging keine ſolche intereſſante Novität, als das am 2. d. M. zur Benefize der Mad. Grill zum erſten Male gegebene

LuſtſpielKean, in 5 Aufzügen,

nach dem Franzöſiſchen des Alexander Dumas, von Ad. Prix, über unſere Bühne. Die geiſtreiche Feder Alexan⸗ der Dumas hat uns hier ein Künſt⸗ lerdrama geliefert, das die meiſten ähn⸗ lichen Geburten deutſcher Bedächtigkeit

Ansichten. Urth

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eile. Begebnisse.

und Schwerfälligkeit bei weitem über flügelt. Wenn gleich in der dramati⸗ ſchen Form, in der Einheit u. Run⸗ dung derſelben, ſo Manches ſich ein wenden ließe, ſo iſt es doch als tref⸗ fendes Charaktergemälde, als herrliche Situationszeichnung u. als ein Schaz⸗ käſtlein voll geſunder Lebensweisheit und kraft- und ſaftvoller Sentenzen, eine ſehr gelungene u. werthvolle Ar⸗ beit. Das franzöſiſche Original iſt ge drukt, auch deutſche Ueberſezungen, und zwar gelungenere, als die bei der hie⸗

ſigen Aufführung zufällig gewählte,