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Themſe und waͤhlte ſorgfaltig einen Plaz dazu, der von der vornehmen Welt ſtark beſucht war. Ein Mitgenoſſe zog ihn in dem Augenblike aus dem Waſſer, als er unterſinken wollte und brachte ihn ans Ufer. Er ſagte der Menge, die ſich um beide drängte, daß es ein armer Arbeiter, einer ſeiner Freunde und ſchon lange Zeit in dem erſchreklichſten Elend ſei. Alle Zu⸗ ſchauer ſuchten in ihren Taſchen und gaben dieſem Unglüklichen ein oder zwei Shillinge. Mehr als einmal betrug dieſe Einnahme 100 bis 200 Fr. Als aber der Herbſt kam, mußte er eine andere Todesart ſuchen. Das Waſſer in der Themſe iſt im Winter nicht warm. Unſern Patron brachte dies in keine Verlegenheit; er erſäufte ſich nicht mehr, er erhenkte ſich bei ein⸗ brechender Nacht er befeſtigte einen Strik an einem Laternenpfahl an ei— ner Straßeneke oder auf den beſuchte⸗ ſten Pläzen und darauf, indem er das andere Ende des Strikes um ſeinen Hals ſchlang, ſtieg er auf den Pfahl oder auf einen Brunnen in der Nähe und ſtürzte ſich ſelbſt in die Ewigkeit. Der Mitgenoſſe, der ſogleich herbei⸗ ſprang, ſchnitt den Strik mit ſeinem Meſſer ab, und rief um Hilfe. Die Menge ſammelte ſich, die Equipagen hielten ſtill, man fragt, was vorge⸗ fallen, und erfährt zum Erſtaunen, daß das Elend einen jungen Arbeiter ge— nöthigt habe, ſich zu erhenken, und ein Regen von Shillinge, manchmal auch Kronen, füllte die Kappe des Un⸗ glüklichen. Vor einigen Tagen jedoch rief der gewöhnliche Mitgenoſſe nicht ſchnell genug unſern Patron zu Hilfe, der ſchon die Zunge zwei Zoll lang herausſtrekte, als der Strik abgeſchnit⸗ ten wurde. An dieſem Tage ſchwur er, daß er die glükliche Idee, ſich ſelbſt um's Leben zu bringen, um ſein Brod zu verdienen, nicht mehr ſelbſt aus⸗
üben wolle. Er hat Wort gehalten, Schon geraume Zeit wußte man nicht, welchem Umſtande man das Abnehmen der Selbſtmorde, die man früher ſo häufig in der Hauptſtadt geſehen hat⸗ te, zuſchreiben ſollte. Man verlor ſich in tauſenden Vermuthungen; der Mit⸗ genoſſe hielt nicht ſaubern Mund, und ſo kam die Sache an den Tag.
Berlin. Im vorigen Jahre wur⸗ den hier über 11,000 Diebſtähle began— gen u. unlängſt haben geſchikte Künſt⸗ ler das Schaufenſter eines bedeutenden Gold- u. Silberhändlers an der Schloß⸗ frei heit erbrochen, und Schmuk und andere Sachen im Werthe von 4000 Thalern ſich die Freihert genommen aus der Haft zu erlöſen. Dieſer Dieb⸗ ſtahl erforderte viel Talent, denn ge— genüber dem Hauſe ſteht eine Schild⸗ wache und wenige Schritte weiter ſind die Nachtwächter der ſogenannten Stech⸗ bahn. Die Polizei war daher auch un⸗ gemein thätig, und man muß beken⸗ nen, der Polizeirath Dunker verſteht ſeine Sache. Zwei Tage darguf waren fünf Perſonen eingefangen, welche da— bei aktiv geweſen ſein ſollen. Drei Kerle ſollen, wie man ſagt, ſich mit dem Fenſter unterhalten, zwei hübſche. Mädchen aber während dieſer Zeit die Schildwache und die Nachtwächter be⸗ ſchäftigt haben. Wenn das wahr iſt, ſo ſieht man, wie die Kunſt in Berlin zugenommen hat u. ausgebildet wird. Liebe und Schönheit ſind die Königi⸗ nen der Welt, und triumphiren über Nachtwächter und Schildwachen. Mit ſolchen Hilfstruppen iſt ſchon Größeres geſchehen auf der Welt.
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Lokal⸗ Zeitung.
Muſik. Am 20. Nov. gab Hr. Lewy, erſter Waldhorniſt und Muſikdirektor Sr. k. Hoheit des Kronprinzen von Schweden und Norwegen, ſein erſtes Konzert im Redouten⸗


