Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
749
 
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vortrug, athmete Leben, Laune und Humor. Auch das darauf folgende Duett war ſehr gelungen, ſo wie er im Fi⸗ nale des erſten Aktes, dann in der Barbierſzene und am Schluſſe der Oper höchſt ergözliche Momente hatte. Herr Huber erhielt anhaltenden und gerech⸗ ten Beifall und ward am Schluſſe ge⸗ rufen. Seine zweite Gaſtrolle ſoll Don Juan ſein. Im Gebiete des Luſt⸗ ſpiels hatten wir am 21. d. M. eine Neuigkeit:Die Gunſt des Augen⸗ bliks in 3 Akt. v. Eduard Devrient. Ein Liebhaber, ſonſt ein ſehr ordent⸗ licher, beſcheidener und gebildeter jun⸗ ger Mann, iſt der unbehilflichſte und unausſtehlichſte Tölpel, wenn er in Gegenwart ſeiner Geliebten iſt, und das gibt zu einigen komiſchen Situa⸗ tionen, die aber faſt durchaus ſehr plumper Natur ſind, Anlaß, bis er ſich endlich in einem günſtigen Augen⸗ blik der Geliebten zeigen kann, wie er wirklich iſt, und er und ſie Mann und Weib werden. Eine magere Hand⸗ lung, unwahrſcheinlich in der Haupt⸗ idee, derbe Einzelnheiten, verbrauchte Wize u. ein ſchülerhafter Dialog drü⸗ ken dieſes Werk weit unter die Mit⸗ telmäßigkeit hinab, und nur die Paar burlesken Coups unterhalten einiger⸗ maſſen. Aber Herr Eduard Devrient wird die deutſche Bühne ſchwerlich von Scribe u. Kompagnie unabhängig ma⸗ chen. Geſpielt wurde nach Kräften. Hr. Deſſoir(Landrath Brük ner) gab den ultraſchüchternen Liebhaber recht ergöz lich, ſo wie Hr. Kalis(Hr. v. Kiel) ſeinen Antipoden recht gekenhaft. Mad. Grill(Erneſtine) hatte eine ſehr paſ⸗ ſive Rolle, bewegte ſich aber recht lieb darin. Nur fanden wir an dem zu gro ßen Umfange ihres Reifrokes, der rük⸗ wärts zu ſehr horizontal in die liebe Natur ragte, wenig Geſchmak. Die Hrn. Pauly u. Gäde, ſo wie Demoiſ. Schmiedt ſpielten mit Fleiß.

Oresden. Die Frankfurter Ober⸗ poſtamtszeitung ſchreibt unter Anderm fol gendes über die Jubiläumsvorſtellung Don Juans in unſerer Stadt:Der Don Juan wurde am Abend ſeines 50⸗jährigen Jubiläums in Dresden ſo fabel haft ſchlecht gegeben, wie noch nie vorher!!! Die Hauptſchuld trägt offenbar die Direktion! Warum hatte ſie der Mad. Schröder-Devrient, wel⸗ che die Donna Anna nicht mehr ſingen kann, die Parthie zugetheilt? Daß die Veltheim ſie noch meiſterhaft ſingt, hat ſich erſt kürzlich bewieſen! Die Schröder-Devrient konnte aber ſchon in Berlin vor zwei Jahren nicht mehr ſingen und ließ ſchon damals die große Arie im 2⸗ten Akt(welche den Schluß ſtein des Charakters der Donna Anna bildet) weg! Wir wollen nicht mit der Dame hadern, daß ſie dieſe Arie hier ebenfalls ausließ, denn klüger u. beſſer iſt es allerdings, gar nicht als ſchlecht zu ſingen und ihre Kouliſſen⸗ reißerei, ſo wie ihr Herabſchreien des Nezitativs:Don Ottavio]! son mor- ta! im erſten Akt zeigte nur zu deut⸗ lich, daß ſie fürchtet mit den einfach⸗ ſchönen Mitteln, wodurch ſie ſonſt Al⸗ les entzükte, nicht mehr auszureichen. Auch wurden wir einigermaßen ent⸗ ſchädigt durch den ſchönen Vortrag der Arie:Mi tradi quell'alma ingrata, welche Fräul. Wüſt, als Elvira, ſang und welche man anderswo ebenfalls ſel⸗ ten zu hören bekommt(ſie folgt hier in der Regel nach Leporello's Arie: Madamina! il catalogo e questo ete. im erſten Akt) aber nun! muß nun auch die Krone der Aufführungen des Don Glovanni in Dresden, das lezte Finale, heillos verſtümmelt werden, weil Mad. Schröder⸗Devrient zu faul war, die Paar Takte Solo und das kurze Duo mit Don Ottavio einzuſtu⸗ diren?(denn dieſe paar Noten kann ſie noch ſingen, ſo ſchlecht es übrigens mit