Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
747
 
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Endlich wäre der abſichtliche Bau eines auch nur maͤßig hohen, nicht 150 oder 256 Fuß emporragenden Thurmes mit faſt unüberſteiglichen Schwierigkeiten verbunden geweſen. Die ganze Maſſe beſteht aus einer zahlloſen Menge kleiner Ziegel, die durch den Mörtel zuſammengekittet und einer am andern feſtge halten werden. Wie lange braucht es aber, bis der weiche Mörtel ſich erhärtet und mit den Ziegeln ſo zu ſagen Eins wird? welche mächtige Stüz und Unterbauten hätten bis dahin die ſchiefen, im weichen Malter liegenden Ziegelſchichten vor dem Abgleiten und Auseinanderfallen nicht ſchüzen müſ⸗ ſen! dec. dc.

Die Sache mit den ſchiefen Thürmen Aſinelli und Gariſendi mag ſich wie immer verhalten, ſo ſcheinet man im All gemeinen des Glaubens zu ſein, daß ſie, da bereits 600 Jahre ohne Unfall vorübergingen, leicht noch andere 100 Jahre überdauern, mithin dem Menſchengeſchlechte von heute und morgen nicht gefährlich werden können. Ich aber führte mir beim täglichen Anblike des Corpus delieti aus den Fenſtern der Pension suisse gerade gegenüber, wo ich ſonſt ganz erquiklich einige Wochen vor Anker lag, jene Mängel und Be⸗ denken etwas zu Gemüthe und verlegte, die Hinfälligkeit aller irdiſchen Dinge erwägend, meinen Nomadenſiz von dieſem übrigens vortrefflichen Hafen deut⸗ ſcher Gaſtwirthlichkeit weit hinweg, aus der Fallweite jener Vologneſer Cele britäten.

Die Frauen in England und Amerika.

Das Antliz der engliſchen Frauen, ſagt Cooper,gleicht beinahe vollkommen dem der Amerikanerinen, wenn man nämlich die nationalen Eigen thümlichkeiten von beiden nicht unberükſichtigt läßt. Es bleibt immer ein de⸗ likater Punkt, über die perſönlichen Reize des ſchönen Geſchlechts in verſchie denen Gegenden vergleichungsweiſe zu ſprechen; allein wenn man über die Hoff⸗ nungen und Befürchtungen der Jugend hinaus iſt, ſo erſcheint eine ſolche Ver⸗ gleichung mehr als ein Tribut, den man den unverweigerlichen Anſprüchen bei der ſchuldig iſt. Müßte man ſich nicht der römiſchen Frauen erinnern, ſo wollte ich behaupten, die Frauen in England und Amerika trügen den Preis über alle andere mitſtrebende davon, in Bezug nämlich auf das, was man im eigent⸗ lichen Sinne perſönlichen Reiz nennt. Eine Sanftheit, eine Unſchuld, eine weibliche Anmuth, ein Ausdruk weiblicher Trefflichkeit liegen in den Zügen und in der Haltung der angelſächſiſchen Frau, welche ganz unbeſchreiblich ſind und als die wahre Blüte chriſtlichen Frauenthums betrachtet werden können. Um die nähern Unterſchiede der engliſchen und amerikaniſchen Frauen zu bezeich⸗ nen, läßt ſich ſo viel ſagen: die Engländerin hat den Vorzug in dem Ober- bau, in Hals, Naken, Schultern; ſie hat in der Regel mehr Farbe und überhaupt mehr Zartheit der Komplexion. Die Amerikanerin dagegen iſt ihr überlegen an Zartheit der Umriſſe, ihre untere Figur iſt niedlicher, Hände und Füße ſind kleiner. Einige Kritiker, welche für Gourmands in dem Kapi tel der Frauenſchöne gelten wollen, pflegen auch zu ſagen, man finde in Eng⸗ land ſchöne, in Amerika mehr niedliche oder hübſche Frauen. Wahrhafte Schönheit iſt überall ſelten und gehört zu den Ausnahmen, und gewiß iſt es wohl, daß ſich unter einer auf engem Raum zuſammengedrängten Bevölkerung