Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
713
 
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Kunst. Eleganz und Mode.

6 Vehbuler Hehe gag a

90. Sonnabend, 11. Novemb. 1837.

Heiterer Sinn in der Sterbeſtunde. (Aus dem Franzöſiſchen.)

Ein berühmter Schriftſteller, Michael Montaigne, dedauerte ſehr, nicht gelehrt genug zu ſein, um ein Verzeichniß aller Todesfälle niederzuſchreiben, die durch ihr Auffallendes in der Geſchichte Epoche gemacht zu haben; wenn ein lustiger Tod etwas Edles, Ausgezeichnetes an ſich hat, ſo brauchte es einen Montaigne, um nur die Todesfälle, welche in dieſer Art merkwürdig geworden ſind, ſeit das Sterben Mode geworden, aufzuzeichnen. Ein ſol cher Nekrologiſt wird einſt erſcheinen, wir zweifeln nicht daran; unterdeſſen wol⸗ len wir verſuchen, zu zeigen, wie reich an Stoff dieſer Literaturzweig iſt.

Fontenelle, der im hundertſten Jahre weniger einen Tag an einer In⸗ digeſtion geſtorben, meinte, Cato aus Utika ſei zu ernſthaft aus dem Leben getreten. Anacreon erſtikte an einem Traubenkern, den er während dem La chen verſchlukte. b

Petrone war der Mann aus dem römiſchen Reich und folglich der ganzen Welt, der ſich am beſten auf das Vergnügen verſtand, und dieſe Kunſt iſt be⸗ ſtändig das Wahrzeichen eines ausgezeichneten Geſchmaks; betrachtet Julius Cäſar, der Cleopatra's Pallaſt verließ, um ſeine Memoiren zu diktiren und die Welt zu regieren! Aber Petrone war ſinnlich und Nero war ein Schwel ger; da war alles Uebereinkommen unmöglich, und wer mit Nero nicht über einkam, war's auch blos in Vergnügungsſachen, mußte dem Leben valet ſa gen. Dieſe unmäßige Herrſchaft nannte man einen Kaiſer. Petrone, der wohl wußte, daß man gegen die Meinung der Majorität erfolglos kämpft, hätte auch dieſe Majorität abgeſchmakte Ideen, erkannte die Macht des Kaiſers an, und ließ ſich die Adern öffnen. Er verſchied in einem Bade, luſtig, im Ge ſpräche begriffen, trinkend, mit Versmachen beſchäftigt, Verſe, die aber kei⸗ neswegs ſeiner Grabſchrift ähnlich lauteten. Es iſt dies der ſchönſte, der lu⸗ ſtigſte Tod im Alterthum.