Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
707
 
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Die Frauen in Baſel.

Emil Souveſtve ſchildert die Schönen Vaſel's mit folgenden Worten: Die erſte, beim Eintritt in Baſel auffallende Sache iſt der überall herr⸗ ſchende Ausdruk von Traurigkeit und Einſamkeit. Wer iſt durch unſere fröh⸗ lichen Städte Frankreichs gekommen und erinnert ſich nicht ihrer belebten Vor⸗ ſtädte, ihrer von plaudernden Mägden umgebenen Brunnen, ihrer mit ſchönen Kindern beladenen Balkons, ihrer Fenſter, mit jungen Stikerinen tapezirt, deren Nadel in der Luft bleibt, ſobald das Geräuſch eines Fuhrwerks die Schei⸗ ben klingen macht? O, wie viele halbgeöffnete Tyüren, aufgehobene Fenſter⸗ vorhänge, wie viele Augenwinke, welches Lächeln! wie uns Alles aufnimmt und betrachtet! In Vaſel iſt nichts von dem Allen. Bei dem Geräuſch Eures Wagens zieht man die Fenſterladen zu, ſchließt man die Thüren, die Frauen verſteken ſich, Alles iſt todt, einſam; man würde ſagen, hier ſei eine Stadt zu vermiet hen. Wenn es Ihnen begegnet, indem Sie durch ein iſolirtes Stadttheil kommen, daß Sie beim Umbiegen in eine Straße zwi ſchen eine Gruppe junger Mädchen fallen, die ſich ſo weit vergeſſen haben, auf den Schwellen zu plaudern, ſehen Sie dieſe bei Ihrem Anblike wie eine Flucht erſchrekter Tauben auseinanderſtieben. Indeß muß man nicht glauben, daß die freiwillige Einkerkerung der Baſelerinen bei ihnen eine völlig e Abweſenheit der Neugierde bezeichnet, ſondern Sie haben Mittel gefunden, dieſe mit ihrer Menſchenfeindlichkeit zu vereinigen. An Eiſenſtäbe geheftete und an den Fen⸗ ſtern geſchikt angebrachte Spiegel erlauben ihnen, aus dem Hintergrunde ihrer Zimmer Alles zu ſehen, was draußen vorgeht, indem ſie ihnen die Unannehm⸗ lichkeit erſparen, bemerkt zu werden. Auf dieſe Weiſe geht die Welt an ih⸗ nen vorüber ohne ſie zu erſchreken und in der Form einer laterna magica.

Anſichten der Chineſen vom Tanze.

Der Kapitän eines engliſchen Kauffahrers, an deſſen Bord ſich auch die Frauen mehrerer Offiziere befanden, und der in einem Hafen des chineſiſchen Reiches vor Anker lag, gab den Abend vor ſeiner Abreiſe ein glänzendes Feſt auf ſeinem Schiffe, wozu auch mehrere angeſehene Chineſen geladen waren. Nachdem die Engländer mit ihren Frauen waker getanzt und vom Schweiße triefend, und ſchwer athmend auf dem Verdeke berumgingen, um ſich zu erho⸗ len und abzukühlen, fragte ein Mandarin, der ſich unter den Gäſten befand, den Kapitän ganz erſtaunt, indem er auf die ermatteten Tänzer hindeutete: Warum laßt Ihr dieſe Arbeit nicht lieber von Euren Dienern verrichten?

Das Küſſen in Amerika.

Wenn ein wilder Vurſche einem Mädchen in Nantucket einen Kuß zu rauben ſucht, ſagt ſie:Segele ab oder ich werde dein Hauptſegel durch einen Sturm zerreißen. Die Mädchen in Voſton halten ſtill, bis ſie geküßt wor⸗ den ſind, dann aber fahren ſie auf und ſagen:Ich dächte, Sie ſchämten ſich. Stiehlt ein junger Burſche einem Mädchen in Alabama einen Kuß, ſo antwortet. ſie:Ich glaube, jezt iſt die Reihe an mir und gibt ihm