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Ernten. Mein Vermögen nahm zu, aber ich habe keinen Tag vorübergehen laſſen, ohne an meine Wohlthäterin zu denken. Ich wußte, daß ſie arm geworden, ich wußte, daß ſie heirat hen werde und bin gekommen, um ihr mein Hochzeitsgeſchenk zu bringen.“— Eine junge, Griſette gab ihre Hand dem Ge— liebten. Die bürgerliche Verbindung war bereits geſchloſſen und das Braut⸗— paar begab ſich mit vielen Bekannten in die Kirche St. Mery zu Paris. Der Geiſtliche hatte ſein Amt bereits be— gonnen und ſprach eben die Frage aus, auf welche das bindende„Ja“ folgen ſollte, als plözlich ein junger Mann ſich auf Sophien, die Braut, ſtürzte, uhr den Brautkranz aus den Loken riß, denſelben mit Füßen trat u. die unglükliche Sophie eine Meineidige nannte. Die Braut konnte nichts Beſ⸗ ſeres thun, als in Ohnmacht fallen; dies geſchah. Unterdeſſen nahm man den jungen Mann feſt, der ſich bald beruhigte, und nach einiger Zeit ſollte die Zeremonie weiter gehen; aber ſelt⸗ ſamer Weiſe waren die Störungen noch nicht zu Ende, denn nun erſchien ein hübſches nettes Blumenmädchen von der andern Seite und nannte den Bräuti⸗ gam öffentlich einen Verrät her u. Mein⸗ eidigen. Sie ließ, als verlaſſene Ge⸗ liebte, ihre ganze Wuth aus. Man bemächtigt ſich endlich auch ihrer, es dauerte aber lange, ehe man ſie be—⸗ ſänftigen konnte. So war die Ruhe zum zweiten Male hergeſtellt, aber nun kam ein dritter Aufenthalt. Der Geiſtliche, der an dieſen Auftritten ſchweres Aergerniß genommen hatte, wollte ſich durchaus entfernen und die Trauung nicht verrichten. Erſt nach vielem Zureden und Bitten ließ er ſich
dazu bewegen.— Zu Belleville(Ban⸗ lieu von Parts) kehrt am Samſtag den 7. Oktober ein Sohn nach Hauſe zurük und ißt mit ſeiner Mutter zu
die roheſte Weiſe Geld von ihr droht, auf ihre Antwort, daß ſie
nes habe), ſie zu tödten, wenn ſie ihm nicht ſogleich das Geld geben würde, das ſie, wie er weiß, in ihrem Se⸗ eretär verſchloſſen und das blos aus 50 Franken, die zur Bezahlung des Mlethzinſes beſtimmt waren, beſtand. Der unnatürliche Sohn verſucht den Sekretär zu erbrechen; die Mutter wi⸗ derſezt ſich. Da nun ergreift er ein Meſſer, das auf dem Tiſch lag, und ſtößt es eilfmal ſeiner Mutter in dle Bruſt!.... Die Wunden ſind tief und man zweifelt an dem Leben dieſer Unglüklichen, die ſchon mehrere Male auf das Fürchterlichſte von khrem eige⸗ nen Kinde gemißhandelt worden iſt. Gui heißt dieſes Ungeheuer. Derſelbe befindet ſich in den Händen der Gerech⸗ tigkeit. Als er verhaftet wurde, wollte er Alle tödten, die um ihn ſtanden und bedauerte nur, daß es ihm nicht gelungen war, ſich des Geldes zu be— mächtigen.
Ulm. Ein Vorfall macht unter dem Militär viel zu ſprechen. Vor ein Paar Tagen nämlich ſchoſſen ſich zwel Lieutenants, die ſich auf dem Strauß⸗ ſchen Ball wegen einer Kleinigkeit ent⸗ zweit hatten. Lieutenant v. Mihlkau wurde durch den Unterleib geſchoſſen, und liegt noch auf den Tod darnie⸗ der. Sein Gegner war Lieutenant v. Reiſchach.
London. Ein engliſcher Taucher hat kürzlich die größte Aufmerkſamkeit erregt. Mit einem von ihm erfundenen Apparate konnte er eine Stunde auf dem Grunde des Bosporus bleiben; auch legte er dem Sultan einen Plan vor, die in dem Meere begraben lie— genden Schäze und Kanonen herauszu— ſchaffen.
Halle. Das hier neuerbaute Schauspielhaus wurde am 15. Oktober,
Nacht. Nach dem Eſſen fade es aaf


