— 698 W. Shillinge nach Hauſe, haͤufig auch noch mehr, ſelten aber weniger. Seine „Einkünfte“ betrügen daher im Durchſchnitt mehr als zwiſchen 30 u. 40 Sbil⸗ linge(15 bis 20 fl.) die Woche. Sie, die Frau, verdient mit Handarbeit, die ihr Mann ins Haus bringe, gewöhnlich noch an 20 Shillinge dazu, ſo daß ſie mehr hätten als ſie brauchten. Ich habe dieſe Geſchichte von Miſtreß S. ſelbſt, doch iſt dieſer Vettler keineswegs der einzige Glükliche ſeiner Art, ſo wenig wie ſeine Art die einzig einträgliche iſt. Wer in London geweſen iſt, wird in den meiſten lebhaften Straßen an den ſogenannten Kreuzungen, wo die Trottoirs von Quergaſſen unterbrochen werden, einzelne zerlumpte Indt⸗ vidnen angetroffen haben, die dort förmlich ſtationär ſind, und bei gutem, wie bei ſchlechtem Wetter die Straße von einem Trottoirende bis zum gegen— überliegenden ſegen oder mindeſtens zu fegen vorgeben, und dafür die Erkennt— lichkeit der Fußgänger in Form eines Almoſens in Anſpruch nehmen. In Re— gentſtreet, Piccadilly, Oxfordſtreet, Bondſtreet u. ſ. w. ſind dieſe Fegerpo— ſten vorzüglich während der Saiſon äußerſt einträglich, zumal da außer den gewöhnlichen kupfernen Pennyſtüken auch ſehr oft ſilberne Sechspennies, und von eleganten Reitern wohl gar Shillinge für Pferdehalten dabei a len Eine„gute Eke“ gilt daher als eine ordentliche Verſorgung, mit der nicht nur Handel getrieben, ſondern die auch zuweilen vom Vater ſeiner Tochter als Ausſteuer mitgegeben wird; denn daß einer dem andern ſein„Recht“ ſtrei— tig machen ſollte, dürfte kaum vorkommen. Im Jahr 1829 ſtarb in der City ein alter Mohr, deſſen Geſicht Jedermann kannte, der auch nur gelegentlich vom Weſtende aus die Börſe beſuchte. An der Eke, wo er die Straße fegte, wohnte eine mildthätige Lady, die ihn regelmäßig jeden Sonntag in ihr Haus rufen und ihm ein Mittageſſen geben ließ. Sie wunderte ſich ſchon, den Al⸗ ten bereits mehrere Tage nicht mehr geſehen zu haben, als eines Morgens ein Paar Leute zu ihr kamen und ihr ſeinen Tod anzeigten, mit dem Bemerken, er habe ſie zur Erbin eingeſezt; er habe weder Verwandte noch Freunde außer ihr gehabt, und daher habe er ihr denn ſein ganzes Vermögen, 800 und einige Pfund Sterling vermacht. Die Sache iſt ſehr erklärlich, ſo wie es überhaupt notoriſch iſt, daß viele ſolcher Feger Geld in den Banken liegen haben. Wer ſich die Mühe nehmen wollte, nur zu beobachten, wie viele Perſonen den Tag über dieſen Menſchen etwas geben, würde ſich leicht überzeugen, daß ſie ſehr häufig weit mehr als 10 Shillinge während. ihrer„Amtsſtunden“ einnehmen müſſen. Wenn ſie ſich nun auch wohl ſpäter am Abend aus ihren Lumpen zum Gentleman herauspuzen und ſich im Eſſen u. Trinken gütlich thun, ſo ſteht zu bezweifeln, ob die einigermaßen Ordentlichen unter ihnen die Hälfte ihrer Einnahme ausgeben. Es iſt daher nichts weniger als unmöglich, daß eine gute Eke ihren Inhaber in Stand ſezen ſollte, hundert Pfund Sterling im Jahr bei Seite zu legen. f Außer dieſen Fegern gibt es eine andere Klaſſe von Bettlern, die haͤu fig „Holzhändler“ ſtyliſirt werden. Dies ſind Leute, die ihr Gewerbe durch zehn oder zwölf Schwefel hölzer beſchönigen, welche ſie auf leicht verſtändliche Weiſe zum Verkauf ausbieten. Sie treiben ſich meiſtens in den beſſern und faſhiona⸗ blen Theilen der Stadt umher, und nehmen an den Staketten der Souter⸗ rains, wo ſich ſtets die Küchen befinden, hauptſächlich das Mitleid der Dome—⸗ ſtiken in Anſpruch. Gewöhnlich ſind ſie regelmäßige Kunden und hal ten ihre
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