Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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braten oder kochen ſolle. Ich hob alſo dle Belagerung auf und hatte die Ehre, bis zum Einſchiffungsplaze zurük begleitet zu werden, nicht von den Damen, ſondern von der nämlichen Eskorte, die mit mir hergekommen war.

Den andern Morgen in aller Frühe erhielt ich eine Botſchaft vom Ka⸗ pitän, mit dem Befehl, an Vord zu kommen. Dort fand ich Alles zur Si⸗ zung eines Kriegsgerichtes zugerichtet. Ich dachte nicht anders, als es handle ſich darum, einen Matroſen abzuurtheilen, der einen bedeutenden Subordina tionsfehler ſich hatte zu Schulden kommen laſſen und wollte unter den übrigen Offizieren Plaz nehmen, da hielt mich der Kapitän zurük.Lieutenant, Sie ſind angeklagt, ſagte er,der Uebereinkunft mit Santa Martha zuwider, Le bensmittel nach der belagerten Stadt eingeſchmuggelt zu haben. Ganz erſtaunt wollte ich weitere Aufklärung verlangen, oder vielleicht auch die Anſchuldugung geradezu ableugnen, aber es blieb mir keine Zeit dazu.Geſtern, fuhr der Kapitän fort,wurde eine Hammelskeule aus der Proviantkammer entwendet und die Schildwache hat Niemand anders hineingehen ſehen als Sie. Ueber dies hat Commodore Johnſon, welcher bei Sennorita Korolina zum Abendeſſen eingeladen war, wirklich dort eine vortreffliche Hammelskeule geſpeiſt, von der genannte Dame mit ihrer Tante rühmten, daß ſie ihnen mittelſt Einver ſtändniſſes in der Flotte Sr. Majeſtät zugekommen ſei. Nun weiß man fer ner, daß Sie dieſe Damen beſucht, und zwar in einem äußerſt ſonderbaren Aufzug. Was haben Sie zu erwidern?Nichts, erwiderte ich, von Scham glühend.So verfügen Sie ſich in ſtrenge Haft, waͤhrend das Ge richt berathſchlagt. 5

Die Entſcheldung ließ nicht lange auf ſich warten; ich ſollte mit erſter Gelegenheit nach England zurükgeſchikt und bis auf weitern Befehl aus der Liſte des aktiven Dienſtes geſtrichen werden. Das Schlimmſte an der Sache war, daß General Santa Martha, der uns ſehr genau beobachten ließ, von der ganzen Geſchichte Wind erhielt. Er richtete an den Kriegsrath und an den Befehl haber der Flotte eine Beſchwerdeſchrift in aller Form. Es gab einen langen diplomatiſchen Notenwechſel, den man auf der Kanzlei des Foreignzoffice noch finden kann; auch durfte ich von Glük ſagen, daß ich davon kam, ohne noch einmal auf Leben und Tod vor ein Kriegsgericht geſtellt zu werden. Ich bin noch immer auf halbem Solde und habe allen Weibern Haß geſchworen, bis ich einmal ein Land finde, wo keine Verrätherinen, keine Undank baren wohnen, die gleich Karolinen nicht einmal warten, bis ein treuer Liebhaber die Treppe hinunter iſt, um ihn in den Armen eines Andern zu vergeſſen.

Ein Taſchenſpieler eigener Art.

Zur Zeit des Konſulats erſchien an den Straßeneken zu Paris ein An⸗ ſchlagzettel, der, auf morgen die Leiſtungen eines Preſtigiateurs ankündigte, und als Schauplaz einen, zu ähnlichen Vorſtellungen immer benüzten Saal in der Nähe des Palais royal nannte.

In ganz lakoniſchen Ausdrüken verſprach der Künſtler das Niegeſehene zu leiſten, und führte auf dieſem Anſchlagzettel Kunſtſtüke an, die freilich ſchon in ihrer Ankündigung die Möglichkeit weit überſtiegen. Bis zur beſtimm