Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
689
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Vebuter Sabeg au q.

87. Mittwoch, 1. Novemb. 1837.

Hunger und Liebe.

(Beſchluß.

Endlich nach ſo vielem Mißgeſchik war ich im Zimmer; die Sennorita ſtellte mich in aller Form der Tante vor.Erlauben Sie, ſagte ſie,daß ich Ihnen einen ſehr tapfern Offizier vorſtelle, Senhor Gallina. Herr Offi⸗ zter von der Marine, ich habe die Ehre Ihnen meine verehrte Tante vorzu⸗ ſtellen, Donna Franziska Azanero. Ich machte eine tiefe Verbeugung, ant⸗ wortete aber keine Sylbe; ich ſah ſchon, daß meine Herrin viel ernſtlicher mit dem Geſchenke beſchäftigt war, das ſie erwartete, als mit mir ſelbſt. So geht es in der Welt, und wer Damen den Hof machen will, darf im Voraus auf Kränkungen aller Art gefaßt ſein. Die alte Donna konnte indeſſen mit Komplimenten nicht fertig werden; ihre Nichte hatte ihr geſagt, was für ein trefflicher, liebenswürdiger Mann ich ſei u. ſ. w. Ich merkte aber gar deut⸗ lich, daß Karoline während der ganzen wohlgeſezten Rede der Tante meine Taſche fortwährend mit neugierigen Bliken muſterte; es machte ihr ohne Zwei⸗ fel viel zu ſchaffen, was für ein Gegenſtand dieſelbe ſo beſchweren und meine zierliche Geſtalt dermaßen entſtellen mochte. Nachdem ich ihre Ungeduld noch ei nige Zeit gereizt hatte, entſchloß ich mich endlich zum Hauptkoup, ich nahm ein Meſſer, ſchnitt die Taſche ab und ließ meine Opfergabe mit edlem An⸗ ſtande vor ihre Füße gleiten. 4

Bald darauf nahm ich Abſchied, zum großen Vergnügen der beiden Da⸗ men, denn ich konnte mir wohl denken, daß ihnen unter den vorwaltenden Umſtänden eine Hammelskeule unendlich angenehmer ſein müſſe als alle meine Verſicherungen von Ergebenheit und Dienſtbefliſſenheit. Ich wagte einige zarte Komplimente, aber im ſelben Augenblik ſah ich die Augen Karolinens unver⸗ wandt auf die Hammelskeule gerichtet, während die Tante, meine Artigkeiten überhörend, in ihrem Innern erwog, ob ſie dieſelbe mit Zwiebeln dämpfen,