Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
663
 
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Theater ſahen wir am 2. Okt. zum er⸗ ſten Male:Ein Traum des Grafen Habsburg, dramatiſches Gedicht von Karl Meisl, ohne anzuſprechen. Da lob ich mir Gulden's lezte Piece:Sa⸗ lerl, oder Frühling und Herbſt einer ſtolzen Schönen, welche Dienſtag, den 10. Okt. über die Bretter ging, da ſprudelts von Wiz und Heiterkeit. Wenn zwar die Idee u. Durchführung dieſes Stükes nicht originell zu nen⸗ nen, und nur zu ſichtlich ein Pendant zu Raimund'sBauer als Millionär iſt, ſo enthält es doch eine moraliſche Tendenz und die geiſtreichen Kouplets wirkten mit draſtiſcher Kraft auf die Lachmuskeln der Zuhörer. Man unter hält ſich, und was braucht man mehr umglüklich zu ſinn. Auf dieſer Bühne regnet es ordentlich No vitäten; denn in wenigen Tagen bekom men wir wieder eine große Pantomime: der Adept und ein neues Zauberſpiel v. Reiberſtorffer zu Geſicht. Scholz's VBenefize am 5. Okt. war, wie zu ver⸗ muthen, von einer Unzahl Menſchen beſucht. Man gab:die Cachucha, oder er iſt ſie, und ſie iſt er, Poſſe in zwei Akten von Grois. Ueber die Benefizen des beliebten Komikers wal tet ein eigener Unſtern ſie neh⸗ men meiſtens ein pfiffiges Ende. Dem diesmaligen wäre es auch nicht beſſer ergangen, hätte Scholz nicht in der Slußſzene die Cachucha getanzt. Scholz tanzen zu ſehen iſt Erſaz für all die Leiden einer elenden Poſſe. Der große Verfaſſer dieſes Machwerkes in⸗ troduzirte ſich dem Publikum gleich in der erſten Szene als einen an der Me⸗ lancholie Leidenden!sapien- ti sat! Bei Neſtroy's neuem Pro dukt:die vier Temperamente, wel ches man noch dieſe Woche erwartet, ſoll die Bühne geviertheilt werden. In Guerras Cyrkus gabs lezthin wieder viel Malheur: die Gla

diatoren, welche der ſtarke Wiener Brand auf den Schultern trägt, ſtürz⸗ ten einer nach dem andern herab. Dem. Angela Letard, welche zu Pferde die Cachucha tanzen wollte, ſiel auch her ab und das war alſo eine caduca! Guerra verläßt dieſer Tage Wien und geht nach Venedig. In der Vorſtadt Schottenfeld führte eine Bande von Taſchendieben einen großartigen Streich aus. Als nämlich vorige Woche eine bedeutende Anzahl Menſchen in der dortigen Kirche verſammelt war, erſcholl mit einem Male der Ruf: Feuer! Feuer! u. nach einigen Minuten von einer andern Seite wieder: Ein toller Hund! Ein ſcheues Pferd! Die be ſtüzte Verſammlung ſtürzte und drükte ſich zur Kirche hinaus, es gab eine gränzenloſe Verwirrung, während wel⸗ cher die Taſchenvirtuoſen in voller Veſchäftigung waren; denn wie es heißt, ſollen ſehr viele Uhren, Ketten, Bracelets, ja ſogar Kirchengeräthe abhanden gekommen ſetn.

Alam bre.

Metz. Hier will man das Aus⸗ pfeifen im Theater, als des Künſtlers wie des Zuſchauers unwürdig, verban⸗ nen. Künftig ſoll jeder Schauſpieler, der Engagement ſucht, ſich zu 3 Debüts ver⸗ ſtehen. Während derſeben iſt jede Aeuße⸗ rung des Mißfallens unterſagt; nach dem dritten Debüt aber wird das anweſende Publikum durch Aufſtehen und Sizen⸗ bleiben über den Werth des Schauſpie⸗ lers entſcheiden; die Zählung erfolgt unter polizeilicher Aufſicht. Dieſe An⸗ ordnung iſt von einer, aus Theater- freunden aller Stände zuſammengeſez⸗ ten Kommiſſion beliebt worden. Der Maire hofft, daß Metz dadurch dem geſammten Frankreich vorleuchten, und, ſich an die Spize einer neuen Zeitrech⸗ nung von Gerechtigkeit und Humani tät(d. h. des goldenen Zeitalters des