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liebt bin.— Dies war nämlich die Urſache von des Prinzen Zorn gegen ihn— und alle Lacher waren auf ſeiner Seite.
Herr von Bièvres war nun auch bei dem Herzog von Chartres ſo völlig in Ungnade gefallen, daß dieſer gar nicht bei kaltem Blute bleiben konnte, wenn er ſeiner anſichtig wurde. Herr von Vièvres ertrug dies mit vollkomme⸗ ner Gemüthsruhe und kümmerte ſich nicht im Geringſten über die Geſichter, die ihm jener ſchnitt.— Wie häßlich iſt er!— Ich finde ihn ganz abſcheu⸗ lich häßlich!— er iſt wahrhaft ſehr garſtig! brummte der Herzog vor ſich hin und wurde dabei ganz roth vor Zorn.— Doch keiner von den Seinigen, mochte er auch noch ſo knechtiſch geſinnt ſein, wagte in dieſe alberne Behauptung mit einzuſtimmen, da Herr von Bievres einer der ſchönſten und liebenswürdigſten Männer und dabei noch die perſonifizirte franzöſiſche und Pariſer Grazie ſelbſt war. Man findet leicht in andern Ländern ſchönere Männer, als in Frank- reich, aber etwas Hübſcheres und Liebenswürdigeres, wie es damals ein junger Pariſer war, kann es gar nicht geben.
Wenn ich ſo häßlich wäre, als es der Herzog von Chartres behauptet, ſagte Herr von Vievres mit einer ehrerbietig beſcheidenen Miene, ſo würde er— mir vielleicht nicht ſo heftig zürnen, als er es jezt thut.
Denkmal zum Andenken des erſten Grenardiers von Frankreich.
Se. Maj. der König von Baiern hat befohlen, daß dem tapfern Latour d' Auvergne, der den ruhmvollen Namen des erſten Grenadiers von Frankreich verdiente, in Nürnberg errichtete Denkmal zu reſtauriren. Das Grab ſoll mit Bäumen umpflanzt und ein beſonderer Weg dahin von der Straße aus angelegt werden. Die beſtehende Inſchrift ſoll beibehalten, aber in Bronze gegoſſen werden, um länger zu dauern. Neben dem Denkmale ſoll ein beſonde⸗ rer Wächter aufgeſtellt werden. Um dem Denkmale einen feſtern Grund zu ge⸗ ben, mußte man das Grab öffnen, das nur 6 Fuß 4 Zoll lang, 5 F. breit. und 5 F. tief war.
In dieſen engen Raum hatte man die vier Leichname im Hemd und ohne Särge gelegt, Forty und die zwei Soldaten mit dem Kopfe nach Norden und den Füßen nach Süden, Latour d' Auvergne in entgegengeſezter Richtung, ſo daß er Forty zu ſeiner Linken und die beiden Soldaten zu ſeiner Rechten hatte.
Alle Knochen waren noch gut erhalten und wie künſtlich zu Skeletten vereiniget, ſo daß man bei Forty kräftige Formen und Veleibtheit, bei den. beiden andern die Friſche der Jugend, beſonders durch ſchöne Zähne erkannte, die noch in den Kinnladen feſt waren.
Die Neſte Latour d'Auvergnes zeichneten ſich durch den feinen Bau ſei— nes Schädels, durch das in einen Zopf geknüpfte Haar und durch die bei ihm und Forty minder ordinären Hemdeknöpfe als bei den andern aus.
Nach dieſer Beſichtigung bedekte man die Gebeine in derſelben Ordnung wieder mit Erde und ſchloß ſie in einem Grabgewölbe ein. Auf einem Steine ſteht die Grabſchrift:*
„Wer ſeinen Tod im heil'gen Kampfe fand,* „Ruht auch in fremder Erd' im Vaterland.“ a


