Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
633
 
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f ũ r Kunst, Eleganz und Mode.

Veßuler She aug. 80. Sonnabend. 7. Oktob. 1837.

Franzöſiſche Moden und Gebräuche im Jahr 1788. (Fortſezung.)

Der kleine St. Mauris und ſeine Schweſtern hatten die Maſern noch nicht gehabt, die in Verſailles ausgebrochen waren; ihre Mutter war darüber außer ſich, und ich ließ ihr, als ich dies hörte, durch deinen Vater ſagen, ſie ſolle mir die beiden Kinder ſenden, denen ich ein helles, nach der Sommerſeite zu gelegenes Zimmer einräumen wolle. Man brachte ſie mir und da ihre Lip pen ganz grün und blau und dunkelroth waren, machte ich ſie erſt zutraulich und lokte es dann von ihnen heraus, daß ſie auf dem Wege von Verſaille nach Paris immerfort Mundlak gegeſſen hatten. Das kleine Mädchen bat mich wei nend, ſie nicht zu verrathen, weil man ſie ſonſt gewiß mit dem Tode dafür beſtrafen würde, daß ſie in einem Kabinet ihres Vaters, in dem die Schreib vorräthe der Sekretäre dieſes Miniſters aufbewahrt wurden, die Oblaten des Königs geſtohlen habe. Die armen Kinder waren ganz abgemagert und ſo hun grig, wie Wölfe. Ich ließ beiden gleich einen guten Teller voll Reisſuppe geben und ſie erhielten ſechs Wochen lang regelmäßig zum Frühſtük eine gute Suppe und zum Mittag allerlei in Bouillon gekochtes Gemüſe und eine fette gebratene Taube, ein Hühnchen oder ein Paar Cötelettes mit gekoch⸗ tem Obſt und zuweilen auch ein Stükchen leichten Kuchen. Zum Vesper⸗ brod bekamen ſie Obſt und Eingemachtes mit Vrod, und des Abends regelmä⸗ ßig jedes den Flügel von einem gebratenen Huhn, und dazu Spinat oder ge kochten Salat und Kompott von Katharinenpflaumen, an den man ein klein wenig Malaga gegoſſen hatte, damit ſie gut ſchlafen ſollten. Ich ließ ſie mit ungeſalzener Brühe von Kalbfleiſch alle Morgen, vom Kopf bis auf die Füße, waſchen und alle Sonnabend mußten ſie ein Bad à la Dauphine nehmen).

) Ein ſolches Vad beſtand aus einer Abkochung von Lorbeerblättern, wil⸗ dem Thymian, Majoran und Quendeln mit einem Zuſaz von Seeſalz.