Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
631
 
Einzelbild herunterladen

631

dem Erſtern zur Seite. Dem. Stu⸗ benrauch gaſtirt noch immer in verſchie denartigen Parthien und gefällt über all. Im Kärnthnerthortheater wur de dieſer Tage eine hübſche Operette der Währwolf«, nach einem franzöſi ſchen Libretto des Scribe, mit Muſik von dem herzoglichen Baden'ſchen Ka pellmeiſter Strauß, vom Publikum bei⸗ fällig aufgenommen. Dieſe komiſche Operette enthält einige recht melodiöſe Piecen. Auf dieſer Bühne kommen in Kurzem die Opernder Seekadett undder Poſtillon von Longjumeau zur Aufführung. Hr. Brabbse, der ſchriftſtellernde Schauſpieler, hat wie der ein neues Stük verfaßt, welches Hunter dem Titel:Das Abenteuer am Brunnen, oder: das Porträt loka⸗ le(J) Poſſe(2) in 2. A., am 18. Sept. im Leop. Theat. in die Szene ging. Das Beſte an der Poſſe von Brabée und an der Muſik von Hebenſtreit iſt unſtreitig das dazu komponirte Quodlibet von Scutta. Am 25. Sept. war dieſes Theater überfüllt. Man gab daſelbſt zur Benefize des Tänzers Ziegelhauſer die neu in die Szene geſezte Pantomime: Der vertauſchte Talisman, in welcher Hr. Schadetzky en costume die berühm te Cachucha mit karikirter Grazie und Zierlichkeit überraſchend ſchön tanzte und eklatantes Furore machte. Von Hrn. Ziegelhauſer, welcher ſich an die ſem Abend in KotzebuesBrandſcha zung als Willig verſuchte, läßt ſich nur das ſagen, daß die Zuhörer über ſein Spiel unwillig wurden. Die feierliche Wiedereröffnung der Joſeph ſtädter Bühne, unter der Direktion des wakern u. umſichtigen Direktors Franz Pokorny, fand am 19. Sept. Statt. Die neue Dekorirung des äußern Schau plazes iſt äußerſt geſchmakvoll. Einem allegoriſchen Vorſpiele von F. X. Told, betitelt:Vertrauen gibt Muth, folg⸗ te das SchauſpielJulius, eine freie

Bearbeitung des Gamin de Paris. Das Stük gefiel; auch die Darſtellung war im Ganzen ſehr gelungen. Mad. Mel chior als Julius ſpielte recht brav. Herr Vanini(Nikodemus) entwikelte in ſeiner Rolle eine edle, feine Komik und ein ſehr gewandtes ſicheres Spiel. Die übrigen Mitwirkenden, als die Dem. Leinſitt u. die Hrn. Röder und Grühn gaben Beweiſe ihrer Fähigkei ten. Im Theater an d. Wien ſprang am 22. d. M. wieder ein Roßſtük über die Bretter. Es heißt:Das treue Pferd, oder: der Geiſterſpuk am Rhein fels. Wieder Unſinn über Unſinn, wieder Geſchmakloſigkeit über Geſchmak⸗ loſigkeit!!! basta! Unſer Herbſt wird recht traurig werden! Strauß geht nach Paris u. Lanner nach Ruß⸗ land(2) Wer wird uns die langen

Abende verkürzen?! Alambre.

Gaſtein. Unſer vieljähriger Ba degaſt und Wohlthäter der Armen, der Patriarch Pyrker, überraſchte unſere Anſtalt in dieſem Monate auf ſeiner Rükkehr von Carlsbad, wo er, von einem Nervenleiden am Knie ergriffen, viele ſchlafloſe Nächte bekam, und ſei ne Rettung nur von unſerem ſo viel fach an ihm erprobten Bade hoffte. Er reiſte über Franken und Baiern eilig hierher, nachdem er 6 Tage zu Mün chen zur Anſchauung der neuen Bau werke verweilt hatte. Er war hier ſo glüklich, durch Dämpfe ſich wieder her zuſtellen. Von hier begibt er ſich nach Venedig, wo die Witterung entſchei⸗ den wird, ob er gegen Ende dieſes Mo nats über Mailand und die Schweiz, über Stuttgart, Cöln, Frankfurt u. Nürnberg zurükkehren, oder ſeinen Weg ſogleich durch Illyrien über Wien nach Erlau nehmen und erſt im näch ſten Jahre die Reiſe durch Weſtdeutſch land machen wird.

D.