Kunst, Eleganz und Kode.
Vebuter aße qouuq.
79. Mittwoch, 4. Oktob. 1837.
Franzöſiſche Moden und Gebräuche im Jahr 1788. (Aus den Memoiren der Marquiſe von Créquy.)
Die Moden waren eben ſo ausſchweifend und unſinnig geworden, als die Ideen, und die geſellſchaftlichen Sitten u. Gebräuche wurden gleichfalls von der Narrheit des Zeitgeiſtes angeſtekt. Ich hatte zur Zeit des Regenten unglaub⸗ lich lächerliche Moden geſehen; man beklebte ſich damals mit Ochönpfläſterchen, die mit kleinen Diamanten und Sternen von geſchliffenem Stahl, oder mit Granaten verziert waren, welches ihnen den Schein gab, als wenn ſie auf das Fleiſch feſtgenagelt geweſen wären. Man puderte ſich mit goldfarbigem Puder, was nur den Blondinen gut kleidete, aber den Brünetten gräßlich! Man trug ſo hohe Haken, daß man das Gleichgewicht verlor und nicht anders, als auf den äußerſten Spizen der Fußzehen zu gehen vermochte— alle edlen Formen der Möbeln und des Tiſchgeräthes wurden von mißgeſtalteten Schnörkeleien und chineſiſchen Frazen verdrängt; kurz ich hatte eine Menge der lächerlichſten und geſchmakloſeſten Moden geſehen, aber noch nichts in der Art, wie ich es In dem Zeitpunkt ſah, von dem wir jezt reden. Die Männer trugen im Jahr 1788 ein Ding, das man einen Frak nannte; dies iſt ein engliſches Wort, das Wahrſcheinlich eine Art von engem und über die Hüften lächerlich ausge— ſchnittenem Kleide bedeutet, welches dieſe nicht bedekt und hinten in einen Schwalbenſchwanz ausläuft. Ein ſolcher Frak war nun z. V. von Scharlach, mit großen Knöpfen, die aus einem, mit vergoldetem Kupfer eingefaßten Uhr⸗ glas beſtanden, unter welchem man Käfer, kleine ſpaniſche Fliegen, Muſcheln und Moos büſchel gelegt hatte. Zu einem ſolchen rothen Kleide trug man nun gewöhnlich eine mouſſelinene Weſte, ſchwarzſeidene Beinkleider und blau und weiß geflammte Strümpfe. Dazu laſſen ſich die Herren à la debäcte friſiren und trugen einen kleinen Zopf, ohne Haarbeutel; der Kragen und der Rüken ihres Rokes wurde mit 14 bis 16 Loth Puder eingepudert. An zwei langen


