Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
622
 
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Gefecht bei Angerwell alle dieſe Titel führt ein einziges, aus dem Franzöſiſchen bearbeitetes Spekta kelſtük, das am 23. d. M. zur Bene⸗ fize der Schauſpielerinen Magdalena und Louiſe Zettler auf unſerem Stadt theater gegeben wurde. Der geneigte Leſer möge ſeiner Phantaſie freien Lauf laſſen und ſich aus allen dieſen Titeln eine beliebige Handlung formen; wir zweifeln nicht daran, daß etwas Sinni geres u. Zuſammenhängenderes heraus kommen werde, als wir in dieſem wahr ſcheinlich durch die Bearbeitung verſtüm melten überrheiniſchen Produkte wahr nahmen. Nicht zu leugnen iſt es, daß an Knallſzenen nicht geſpart wurde, wozu die gewöhnlichen theatraliſchen Behelfe herhalten mußten. Das Stük gefiel deshalb ſo ziemlich u. auch des⸗ halb, weil die Hauptrollen ſo wirk ſam dargeſtellt wurden. Vorzüglich ex zellirten die Hrn. Nötzl und Juſt durch ergreifende Wahrheit und Natur, der Erſtere auch durch Jovialität u. Laune im Spiele. Nicht minder lobenswerth war Dem. Magdalena Zettler, die vie len Fleiß auf ihre Rolle verwendete und ihr viel Charakter und Färbung verlieh. Auch Dem. Louiſe Zettler wußte ihrer unbedeutenden Aufgabe Reiz abzugewinnen und ſich Beifall zu erwerben. Die drei den Benefiztanti nen geweihten Kränze mögen beweiſen, wie ſehr ſie in der Gunſt des Publi kums ſtehen, und wie ihr Kunſtſtreben Anerkennung findet. Bei dieſer Gele genheit müſſen wir auch der einfachen u. würdevollen Weiſe, wie ſich die Benefi zianten auf den Theater-Affichen un ſerer Jühne dem Publikum empfehlen, lobend erwähnen. Es iſt hier blos einfach von demhochverehrten Publikum die Rede. Publikum iſt ein großes, um faſſendes Wort; es muß dem Schau ſpieler beſonders als ein untheilba rer Körper erſcheinen, und Derjenige,

der es, wis es auf mancher andern Bühne zur Gewohnheit geworden, in Klaſſen eintheilen will, weiß nicht wie ſehr er ſich gegen das Decorum ver geht. Darum verdient die Ofner Bühne, die dieſen lächerlichen Bombaſt beſeitigt, Nachahmung. Am 25. er ſchien ein Gaſt auf dieſer Vühne. Hr. Fürſt, vom Theater in der Joſephſtadt, gab den Ferdinand, inKabale und Liebe zur erſten Gaſtrolle. So ſehr dieſe bürgerliche Tragödie des unſterb lichen Schiller in vielerlei Beziehung den Stempel hoher Meiſterſchaft an ſich trägt, wurde ſie als dramatiſches Werk ſchon längſt vom Zeitgeſchmake desavouirt. Dieſer Konverſations-Jam⸗ mer kann wohl noch das Herz zerrei ßen, aber nicht großartig rühren, und die gemeine Intrigue des Wurm mit telſt des tölpelhaften Hofmarſchalls Kalb findet ſchwer Glauben; nur die meiſt trefflich gezeichneten Charaktere, u. die herrliche Diktion verfehlen noch im mer ihre Wirkung nicht. Es iſt alſo jezt für einen Schauſpieler eine ſchwie rige Aufgabe, in der Hauptrolle dieſes Trauerſpiels mit Erfolg zu debutiren. Hr. Fürſt, dem ein ehrenvoller Ruf aus Wien voranging, präſentirte eine herrliche, für's Theater geſchaffene Ge ſtalt, ein, wenn auch diesmal umflortes, doch verſtändliches Organ und ein ſchö nes Darſtellungstalent. Wenn er auch nicht in allen Theilen ſeiner Aufgabe gleich durchdrang, ſo mag die Schuld an der Richtung der Zeit liegen, in welcher wir einem empfindelnden, ſo ganz in den Nezen der Liebe gefangenen Major, kei nen rechten Geſchmak mehr abgewinnen können. Doch waren mehrere Momente, in welchen er den denkenden Schauſpie ler bewährte, ſehr gelungen und vom Publikum mit gerechtem Beifalle auf genommen. Hr. Fürſt wurde gerufen. Von ſeinen Umgebungen nennen wir blos Dem. Müller(Louiſe), Dem. Zett⸗