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offenbarte, für ihn ſo groß, daß im Augenblike, wo ſein Urthell vorgekefen wurde, das ganze Auditorium von der lebhafteſten Rührung ergriffen war. Giuſeppo wurde verdammt, gehängt zu werden; und, wie ich ſchon geſagt, ſeine Hinrichtung fand am Morgen nach meiner Ankunft in der Hauptſtadt der Abruzzen ſtatt; ich hatte aber nicht den Muth, ihr beizuwohnen.
Das zum Fenſter hinausgeworfene Haus.
Unter dem Kaiſerreiche waren ein Mal vier Korſarenkapitaͤne in der kleinen Hafenſtadt Kamaret und unterhielten ſich größtentheils von ihren Tha— ten. Der eine, Nivelle, fand alle Späße und Poſſen, die berichtet wurden, gut, erklärte aber, er trage ſich alle Tage mit einer Idee, die Alles derglei— chen übertreffen werde, wenn ſie auszuführen wäre; er ſehne ſich nämlich außer— ordentlich, irgend ein Haus zum Fenſter hinauszuwerfen.
„Da wüßte ich dir wohl Rath zu ſchaffen,“ antwortete der Kapitaͤn Stop;„der Maire von Kamaret erzählte mir, daß er das alte Haus verkau⸗ fen wolle, das gerade vor dem Hafen ſteht. Laßt uns dahin gehen und zuſe⸗ hen, ob wir die Hütte, noch ehe es finſter wird, durch das Mittelfenſter des erſten Stokes herauswerfen können.“
Ein anderer hielt ihm ein, daß ſie das Haus doch erſt kaufen müßten, Stop aber meinte, ſie bezahlten es nachher und wenn der Spaß jeden auch hoch käme, ſo gäbe es doch noch engliſche Priſen, welche ſie entſchädigen würden.
Geſagt, gethan; die vier Kapitäne brachen auf und gingen nach dem Hauſe des Maires hin, das leer ſtand. Das Dach war bald abgetragen, her— unter geſchafft und zum Fenſter hinaus geworfen; dann kamen die Seitenwände daran. Ganz Kamaret eilte auf dieſen Lärm nach dem Hafen; der Maire ſelbſt erſchien und war nur durch die Verſicherung zu beruhigen, daß ihm das Haus bezahlt werden würde, wenn er nur dulden wolle, daß man daſſelbe zum Fen— ſter hinaus werfe.
Selbſt während der Unterhandlung mit dem Beſizer flog ein Balken und ein Steinhaufen nach dem andern durch das Fenſter hinunter, das ſie an der Vorderſeite des Hauſes unverſehrt hatten ſtehen laſſen. Die vier Zerſtörer ar⸗ beiteten ſo gut, daß nach zwei Stunden nichts mehr übrig war, als eben das verſchonte Fenſter mit dem Stük Mauer, worin es ſich befand.
Als ſie ſo ihre tolle Luſt gekühlt, begaben ſie ſich zu dem Maire, um mit ihm um den Preis des zerſtörten Hauſes zu handeln, und jeder zahlte 4000 Frks., unter der Bedingung jedoch, daß nie ein anderes Haus an der Stelle aufgeführt, das Fenſter aber erhalten und darunter die Aufſchrift geſezt werde:„Hier wurde ein Haus durch dieſes Fenſter von vier Korſarenkapitä⸗ nen, am 21. Dezember, herausgeworfen.“ Der Maire ging dieſe Bedingung ein und der Reiſende kann das Fenſter mit der Aufſchriſt noch heute in Ka⸗ maret ſehen.
Ruſſiſche Sitten.
Die Ruſſen ſcheinen vor allen Völkern am klügſten bei häußlichen Strei⸗ tigkeiten zu handeln. Die Frau verſpricht dem Manne, ihn nie ihre Verle⸗


