Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
602
 
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Um nicht etwa durch irgend einen äußern Eindruk zerſtreut und in ſeinen lobenswerthen Verrichtungen geſtört zu werden, hat ſich jener Gourmand in den Hintergrund zurükgezogen, um ſich ganz dem Genuſſe einer neuen Gat tung Gefrornen hinzugeben. Ein echter Gutſchmeker braucht alle fünf Sinne dazu, um irgend eine Speiſe oder Erfriſchung ordentlich zu genießen. So er⸗ gözt ſich unſer weiſe Mann zuerſt durch die Augenluſt. Wie die Klapperſchlange durch ihre magiſchen Blike lange das arme Vögelchen feſt gebannt hält, be vor es das Opfer zum Morgenimbiß verſchlingt; wie Newton die Regenbo genfarben im Prisma; Kapitän Roß die Iris des Polareiſes: betrachtet der Gourmand ſein farbiges Gelée und ſchwazt dazu wie ein Clauren'ſcher Hofrath, wenn von friſchen Auſtern oder delikaten Kälberſchnitten die Rede iſt.

Wie nach Shakſpeare im Himmel und auf Erden gar Manches exiſtirt, wovon ſich unſere Philoſophie nichts träumen läßt, ſo läßt ſich die Philoſophie jenes Portiers, der dem Gutſchmeker bei ſeinerKunſt mit Gefrornen umzu gehen belauſcht, von jenen ſtillen Freuden deſſelben nichts träumen; er, der bereits ein Duzend Melonen und einige zwanzig Ellen Makaroni zum Früh⸗ ſtük verzehrt hat! bedarf, wie der Schall, zu ſeinen Verrichtungen nur wenige Minuten, um allenfalls eine ganze Kredenz in den Zuſtand zu ver ſezen, wie z. B. ein deutſches Dorf, in welchem die Armee der großen Nation fouragirte. Und der Aufwärter in Hemdeärmeln, der unter der Thür ſteht, auf deſſen Befehle der Feuerburſche hinter ihm E und der den Plaz aufmerkſam überſchaut gleicht er nicht einem Feldherrn in der Schlacht, der mit einem Coup d'oeln ſeine geordneten Maſſen überſchaut, und ſeinen Adju⸗ tanten Befehle gibt? Dort iſt eine Taſſe Kaffe, hier ein erobertes Schlacht feld das Reſultat. Was iſt aber an Beiden Außerordentliches im unermeſ⸗ ſenen All', wo ein unaufhörliches Keimen und Vergehen, Blühen und Wel ken, Schaffen u. Zerſtören Statt findet? wo im weiten Himmelsraume Son nen zerſtieben, während der Waſſertropfen Myriaden neue Weſen gebiert!

Ich war eben im Zuge eine lange philoſophiſche Abhandlung mir ſel ber zu halten denn vor meiner Brille bewegte ſich eine ganze phantasmago riſche Welt, welche der in die Hize hineingetrunkene Lacrymae hervorzau

berte, und unter meinem Strohhute halten die Fichte-Schelling-Hegel-ſchen.

Syſteme ſich bei den Ohren, da dieſelben kaum im Weltraume, vielweniger un

ter einem Hute Plaz finden da klopft mich ein Mann lächelnd auf die Schul,

ter es war der erwartete Führer. 5 0

Der Bandit den Abruzzen.

(Fortſezung.)

Groß, wohlgebaut, von einnehmender Phyſiognomie, tapfer, galant und menſchlich, verbot Giuſeppo, die Reiſenden, die man plünderte, zu miß hau⸗ deln und Blut zu vergießen, außer dem Falle der Selbſtvertheidigung und wenn ſie Widerſtand entgegenſezten. Er war immer ſehr reich gekleidet, ſeine Wäſche war von glänzender Weiße und ſeine Hände ſo ſchöͤn, daß ihn die Ele gants von Rom und Neapel darum beneidet haben würden. So wird er in den Balladen und Volksliedern geſchildert, deren Held er iſt. Palmieri hatte außerdem viel Geſchmak für die Oichtkunſt und man konnte in den umliegen