Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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man die Elſenbahn keiner hellern Be leuchtung unterziehen. Die Schie⸗ nen ſchienen mir unſichtbar, ich tappte nach ihnen mit beiden Händen am Vo den umher da erſcholl ein plözlicher Schrei ich hatte ſtatt der Schi e nen das Schienbein eines Neben⸗ ſtehenden erfaßt. Eilend verließ ich nun dieſes Kinderſpielwerk einer Ei ſenbahnparodie und trat in den Saal, mir durch Strauß's Zauberklänge, die Unmuthswolken von der Stirne zu verſcheuchen. Da rief's in mir:

, edle Seele, entreiß dich dem Wahn, Und den himmliſchen Glauben bewahre! Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht

5 ſahn,

Es iſt dennoch das Schöne, das Wahre! Siſenbahn ſuchſt du mitrieſiger Dampfeskraft

Sie iſt nicht draußen, da ſucht' ſie der Thor; Im Saal iſt ſie, Stauß bringt ſie ewig

hervor.

Jezt einen Rükblik auf die Leiſtun⸗ gen unſerer Bähne in dem Laufe die⸗ ſer Woche. Im k. k. Burgtheater ſa⸗ hen wir am 7. Sept. Halm'sAdept. Im k. k. Hofoperntheater debutirte Hr. Weinkopf in Spor'sJeſſonda, in der Rolle des Triſtan. Dieſer junge Baritoniſt, ſchon von früher durch meh rere glükliche Verſuche, beſonders in derStraniera bekannt, hatte ſeit dem bedeutende Fortſchritte gemacht, u. viel an richtiger Intonation und dra matiſchem Vortrag gewonnen. Er wur de vom zahlreichen Publikum uniso no, recht beifällig aufgenommen. Wie ſehr diesmal die Aufführung derJeſ ſonda, bis auf die kleinſten Einzeln⸗ theile, ein völlig abgerundetes, ent zükendes Ganze bildete, dafür bürgen die Namen der mitwirkenden Delles. Lutzer und Goldberg und der Herren Wild und Staudigl. Auf dieſer Bühne erwartet man in wenigen Tagen eine ſplendide Aufführung von Roſſi⸗ ni'sWilhelm Tell. Im Leopold⸗

ſtädter Theater machen die Gaſtvorſtel⸗ lungen der Dem. Revie jedesmal ein volles Haus. Ein Hr. Gehrig, vom ſtändiſchen Theater zu Grätz, gab am 4. Sept. den Hanns Sachs als Gaſt. Herr Gehrig, mit einem zwar ſehr ſchwachen Organe begabt, ſpielte ſze⸗ nenweiſe recht brav uad gefiel; doch den gewandten Quandt erſezt er uns nicht. Hr. Viool, Guerra's Tau- ſendſaſa, verſuchte ſich lezthin(am 67 Sept.) als Affe Mamok, in Neſtroy's Poſſe:Affe und Bräutigam. Zeigte Hr. Viool auch die kühnſte Bravour in der Gliederverrenkungskunſt, entfal tete er vor unſern Augen ſeine unge heure Muskelkraft und Gliedergelen kigkeit, ſo vermißten wir doch gänzlich in ſeiner Darſtellung den Affen und beſonders jenen, naturgetreuen, aus geprägten Affen, wie ihn Hr. Kliſch⸗ nigg uns vorführte. Bei dieſer miß⸗ lungenen Darſtellung lernte man ein ſehen, daß es viel leichter ſei, einen Affen zu bekommen, als einen Af⸗ fen zu geben. In Guerra's Eir kus hat ſich, dem Vernehmen nach, ein bedeutender Unfall ereignet. Als näm lich bei dem SpektakelſtükeFerdinand Cortez Triumph der Kunſtreiter La goute den Cortez gab, und auf einem Pferde ſizend von 20 Grenadieren auf einer Tragbahre getragen wurde, ſtürz⸗ te ſein Pferd mit ihm hinab und ver wundete einige Grenadiere. Lagoute ſelbſt und ſein Pferd blieben unver lezt. Die Walzerheroen Strauß und Lanner verlieren ihren tüchtigſten Nebenbuhler, Herrn Franz Morelly, welcher Wien in Kurzem verläßt und dem ehrenvollen Rufe als Kapellmei⸗ ſter zu einem Infanterieregiment, nach Ungarn folgt. Heute Morgens(den 11. Sept.) 9 Uhr hatten wir das ſchöne Schauspiel, das prächtige Dampfſchiff Marianne bis hart zu der Ferdi⸗ nandsbrüke, unter unſern Stadtmau⸗