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Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
Literatur.
Leipzig.„Genaue Beſchreibung der Gräfenberger Waſſerheilanſtalt und der Prießnitz'ſchen Kurmet ho⸗ de u. ſ. w. Von Karl Munde. Lei p⸗ zig. Hartleben. 1837. 8., VII. 188. (Veſth, zu haben in Hartlebens Buchhandlung.)
Wenn wir oft hoch im Rufe ſtehende
Mittel von gewichtigen Widerſachern
auf ein Richts zurükgeführt ſehen, und
ganze Schulen mit der Zeit ſich auflö⸗ ſen, ſo bemerken wir daslan dem Waſſer nicht. Dieſe edle, u. doch ſo leicht zu erhaltende köſtlichſte aller Flüſſigkei⸗ ten erfreut ſich der Hochachtung aller
Zeiten. Dem anſpruchsloſen Prießnitz
auf Gräfenberg gebührt der unſterbliche
Ruhm durch Erfindung einer eingrei⸗
fendern Methode eine neue Aera in
die Waſſerkur gebracht zu haben.—
Seit Kurzem hat er eine Anſtalt ge⸗
ſchaffen und ſchon iſt ihr Ruf begrün⸗
det. Meiſterhaft hat hierüber Herr
Munde in vorliegendem Werke geſchrie—
ben. Nachdem das Hiſtoriſche und To—
pographiſche gegeben iſt, wird die Heil— methode umſtändlich erörtert. Dem Kur— gaſte iſt das Buch ein unſchäzbares
Vademecum, es belehrt ihn, was er
mitzubringen hat, und wie er ſeine
Reiſe einrichten ſoll, er findet in ver—
ſchiedenen Routen die Reiſekoſten ge⸗
nau berechnet, manche Gaſthäuſer em⸗
pfohlen, u. vor andern gewarnt u. ſ. w.
und für den Kurplaz ſelbſt die wichtig⸗
ſten Fingerzeige, auch Angabe ſämmt— licher Auslagen: für Koſt, Quartier,
Bäder, Bedienung. Dem Arzte iſt
hier nicht blos das Hiſtoriſche wichtig,
ſondern, da er Alles genau detaillirt antrifft, ſo könnte ein unternehmender
Kopf, der ein ahnliches Inſtitut be⸗
gründen wollte, hieraus eine Anlei⸗ tung entlehnen. Lobenswerth iſt auch die außere Ausſtattung des Werkes.
Dr.—nt—.
Mignon⸗Zeitung.
Hildburghauſen. Womit ha⸗ ben wir's vardient(fragt die Dorfzei⸗ tung), daß viele der wichtigſten und herrlichſten Erfindungen gerade in un⸗ ſere Zeit fallen? Seit Jahrtauſenden hat man nachgedacht und vorgeſchrieben über die Kunſt, alle Menſchen gut und vortrefflich zu machen, und noch immer ſind die Zuchthäuſer beſezt, und es gehen nicht alle hinein, die hineinge⸗ hören. Theodor Mundt, der bekannte Schriftſteller, hat kürzlich das Geheim⸗ niß entdekt, die Welt gut zu machen, und zwar auf einem ganz einfachen u. angenehmen Wege; man darf nur die Taglioni tanzen ſehen, und man iſt ein vortrefflicher Menſch.„Man wird gut, wenn man ſie tanzen ſleht,“ ſo meldet er aus London in der Leipzi⸗ ger Eleganten,„ihre ganze Erſchei— nung iſt Seele, Gemüth, Beſcheiden⸗ heit; ich zähle dies Götterkind, ob— wohl es auf Erden nur eine Tänzerin geworden, zu jenen Lieblingen des Him— mels, welche derſelbe der Menſchheit geſandt, um ſie zu erheben, zu beſſern und zu läutern; alle Bewegungen ih⸗ rer Füße haben einen andächtigen und ſinnreichen Inhalt.“— Fatal wär's, wenn das neue Mittel, die Menſchheit von unten auf gut und andächtig zu machen, ſich vielleicht blos auf die männliche Hälfte erſtrekte, und die weibliche nun ſo weit in der Andacht zurükbliebe. D. Z.
Buntes aus Paris. Unter dem Schuz der Königin hat ſich hier


