Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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haben, es gehört in ſein Amt.Ganz wohl, fuhr Sir Evan fort; aber haben Sie die Beſcheinigung von ihm in Händen, daß der Befehl wirk⸗ lich abgegangen iſt?Das nicht.So müſſen wir ihn auf der Stelle aufſuchen: kommen Sie mit! es iſt noch zeitig, wir müſſen ihn finden. Der Mann wohnte ziemlich weit davon in Chancerie-Lane; kein Fiaker ließ ſich treffen. Sir Evan und ſein Begleiter rannten mehr, als ſie gingen, und kamen gerade in dem Augenblik vor des Kron-Veamten Thüre, als derſelbe in ſeinen Wagen ſtieg, um auf ſein Landgut hinauszufahren; er meinte, Alles abgemacht zu haben, und rechnete auf einen freien Tag. War er ſchon über den Beſuch des Unter-Staats-Sekretärs zu ſo ungewohnter Stunde verwun dert, ſo erſchrak er vollends, als er hörte, wovon die Rede war.Hilf, Gott im Himmel! rief er und ſchlug ſich vor die Stirn,ich habe den Befehl noch in meinem Pulte liegen. Er holte ihn herbei, und Sir Evan bat ſich vom Poſt⸗Amte den allerſchnellſten und zuverläſſigſten Expreſſen aus. Am fol⸗ genden Tage traf die Begnadigung zu York in dem Augenblik ein, da die Verurtheilten den Karren beſtiegen, der ſie zum Richtplaz führen ſollte.

Dieſe kleine Geſchichte iſt gewiß außerordentlich in ihrer Art, und das Einſchreiten einer höheren Fügung ſcheint uns dabei unverkennbar. Geiſter erſcheinungen und Geiſterſtimmen wenn man ſie als möglich zugibt wären bei weitem nicht ſo wunderbar, als dieſe Verkettung ſcheinbarer Zufälle zu einem Neſultate, das uns, als ein durch höhere Abſicht herbeigeführtes, in die Augen ſpringt.(M. f. d. L. d. A.)

Waſhingtons Amme.

In Cox und Hobby's Tour in America finden wir folgende Stelle über die öffentliche Ausſtellung einer alten Negerin, die einſt Waſhington's Fami⸗ lie gehörte:Während wir uns in Providence befanden, erblikten wir die Sklaverei in einer ihrer außerordentlichſten und abſcheulichſten Formen. Der Name Waſhington's, des Vaters dieſes Landes, wird von jedem Patrroten jenes Landes verehrt. Hier ſahen wir noch lebend die Frau, die ihn geſäugt und gepflegt und die Kette der Sklaverei bis dieſen Augenblik getragen hatte. Wir errötheten für Amerika und fühlten Weh im Herzen, als wir daran dach⸗ ten, daß mehr als hundert Jahre nachdem der Held als Kind am Busen dieſer Fremden geruht, Joyce Heth Sklavin geblieben war. Wir fühlten uns ge⸗ neigt, als wir ſie ſahen, nach dem Gefühle eines Volkes zu fragen, das dul⸗ den kann, dieſe lebende Mumie, dieſe athmende Leiche durch das Land zu ſchleppen und Fremden als Merkwürdigkeit für Geld zu zeigen. Dieſe merk⸗ würdige Frau, die damals 161 Jahre alt war, hätte eher in Seide gebettet und in ihrer zweiten Kindhelt mit derſelben zärtlichen Sorgfalt gepflegt wer⸗ den ſollen, mit welcher ſie über einen der größten Männer wachte. Sie wurde von Madagaskar geraubt und gehörte dem Vater Waſhingtons, als dieſer geboren wurde. Offenbar hatte man ſie in hohem Grade vernachläſſiget, ſeit ſie in die Hoffnungsloſigkeit eines faſt wunderbaren hohen Alters gerieth, da man ihre Nägel hatte wachſen laſſen, bis ſie ſich gebogen wie die Vogel⸗ klauen und an der einen Hand ſelbſt in das Fleiſch hineingedrungen waren. Sie befand ſich in der äußerſten Armuth und würde in Kentucky geſtorben