Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
577
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

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(Aus dem Leben.) Von Johann Gabriel Seidl.

Wieder blikten zwei feurige Schwarzaugen durch das blecherne Siebfen ſterchen an der Thüre, als ich kaum vor meines Freundes, des jungen Dok tors J., Wohnung die Klingel gezogen, und wieder fragte mich ein helles Stimmchen:Wer wünſcht Einlaß? Und wieder ging, als ich meinen Namen nannte, die Thüre auf, und ein niedliches Weſen äußerte mit Ve⸗ dauern!Ach! lieber Herr, heute haben Sie ſich leider umſonſt bemüht; der Doktor ſind in der Stadt zu Gaſte! 5

Wie verſchieden iſt eine ſolche Abfertigung von dem dummdreiſten Begeg⸗ nen übermüthiger Kammerdiener, von den groben, nichtsſagenden Antworten achſelzukender Thürſteher, welcher man ſich an dem Grenzzollamte mancher An tichambre auszuſezen hat. Nicht ſelten, ich muß es geſtehen, war ich ſogar mit jener höflichen Abweiſung nicht begnügt, ſondern ich fragte um das De⸗ tail der Einladung, um den Ort, um die Stunde der Rükkehr, um Dieſes und Jenes, was eben intereſſant genug war, um keine unintereſſante Antwort zu veranlaſſen. Mir kam es dann immer vor, als ob ich nicht vor einer Magd, ſondern vor einem Fräulein, ſtände; mit leiſer Scheu betrachtete ich das liebe, blaſſe Geſicht mit dem leidenden Züg über dem Auge; bemerkte mit ſchonender Neugier, wie ſie meinen Fragen um ihr früheres Schikſal aus⸗ wich, und konnt' es nicht über das Herz bringen, den Hut auf den Kopf zu ſezen, ſo lange ich auf der Thürſchwelle mit der angenehmen Pförtnerin zau⸗ dernd ſprach und ſprechend zauderte.

Längſt ſchon hatte ich den Doktor ſelbſt über dieſes Mädchen aus der Fremde(denn dafür bürgten Tracht und Mundart) fragen wollen; aber troz

des Vertrauens, das ich ſowohl auf ihn, als auf das liebe Kind ſezte, wagte

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