Kunst. Eleganz und Mode.
Vebuter Hebe g.
70. Sonnabend, 2. Septemb. 1837.
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(Fortſezung.)
IV. 7. Mai 18 Homme sans moeurs et sans religion Briefwechſel.
Liſaveta Jvanowna ſaß in ihrem Zimmer, noch in ihrem Ball-⸗Anzuge, und tief in Nachdenken verſunken. Als ſie nach Hauſe gekommen war, ſandte ſie das ſchlaftrunkene Mädchen, welches ihr nur ungern ihre Dienſte anzubie⸗ ten ſchien, mit dem Bedeuten fort, ſie würde ſich ſelbſt entkleiden und trat bebend in ihr Gemach, wo ſie Herrmann zu ſehen glaubte und nicht zu finden wünſchte. Der erſte Blik überzeugte ſie, daß er nicht da war und innig dankte ſie dem Zufall für das Hinderniß, welches dieſes Rendezvous geſtört hatte. Sie ſezte ſich unausgekleidet hin, und dachte über die Umſtände nach, welche ſie in ſo kurzer Zeit ſo weit geführt hatten. Es war noch nicht drei Wochen vergangen, ſeit ſie den jungen Mann zum erſtenmal aus dem Fenſter erblikt hatte— und ſchon ſtand ſie mit ihm in Briefwechſel— und es war ihm ge— lungen, eine nächtliche Zuſammenkunft von ihr zu erlangen! Sie kannte ſei⸗ nen Namen nur dadurch, weil er einige ſeiner Zettel unterzeichnet hatte; ſie hatte nie mit ihm geſprochen, nie ſeine Stimme und von Andern ihn nie nennen gehört— bis den heutigen Abend. Seltſam genug! Tomski, der mit der jungen Fürſtin Pauline* ſchmollte, die gegen ihre Gewohnheit, nicht mit ihm koquettirte, wollte ſich durch Gleichgültigkeit rächen: er forderte Liſa auf, mit ihm eine Maſurka ohne Ende zu tanzen. Während des ganzen Tanzes ſcherzte er über ihre Leidenſchaft für den Ingenieur-Offizier, verſicherte, daß er viel mehr wüßte als ſie denken möchte, und einige ſeiner Scherze waren ſo treſſend, daß Liſa einigemal glaubte, ihr Geheimniß ſei ihm bekannt. l
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