Jahrgang 
Band 2 (1837)
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ruͤucherter Mime dle Hulbigungen ei⸗ nes Solon verlangt, und eine ſprin⸗ gende Hetäre kühn nach Jupiters Bli zen greift. Unſer Kärnthnerthor theater iſt nun, ſeit dem unſere deut ſchen Sänger u. Sängerinen am Durch fall darniederliegen, ziemlich verödet. Doch nur Muth, meine Herren und Damen! Legen Sie die in gewiſſen Städten beliebte Manier zu ſchrei en ab, und ſingen Sie, und ich verſpreche Ihnen oppoſitionsloſe Vei fälle und dauernde Geſundheit. Das Hofburgtheater prunkt nun im neuem Kleide doch nein, es prunkt nicht, es gefällt ſich und andern im einfachen beſcheidenen Gewande. Am wenigſten gelungen ſtellt ſich dem Auge der Vorhang dar, u. erreicht in künſt leriſcher Vollendung bei weitem ſei nen Vorgänger nicht, deſſen Gegenſtand auf ihm kopirt erſcheint. Die Kontur der Figuren iſt ekig, die Farbe grell, die Landſchaft todt dem Ganzen fehlt Harmonie. Die Eröffnung des Theaters geſchah, was die Wahl des Stükes betrifft, mit Goethes:Iphi genie, auf würdige Weiſe. Das, geſtern, den 3. d. M., im Prater ab- gebrannte Annen-Feuerwerk iſt keines⸗ wegs zu den gelungenen zu zählen; mehrere Dekorationen verunglükten, und brannten entweder nur zum Theil oder ungleich auf, u. geben ſomit ein recht treues Bild unſers gegenwärtigen Erdenwallens, das jeder Einheit ent behrt, und nur in dem unbegrenzten Raum des Egoismus ſeinen Halt findet. * Wien(4. Auguſt). Schon woll⸗ ten ſich die Sommerfreuden einhällen in das aſchgraue Koſtüm eines trübſe ligen Novembertages; ſchon blieſen die Poſtillons auf dem Lande zur Retirade in die liebe Heimath da beſann ſich plözlich der Himmel eines Veſſern, ſein umwölktes Antliz erheiterte ſich, und

das liebliche Sonnenauge ſpiegelte ſich im ſtrahlenden Schimmer. Mit dem alten Wetter ſind auch wieder die alten Freuden eingetreten. Muſik, Theater, Künſtlergeſellſchaften, Affen und Frö ſche(in efligie!) leeren ihr überreiches Füll horn aus vor der ſtaunenden Menge. Immer zu, ihr Herren und ihr Frauen! Laßt die bunten Sächelchen uns ſchauen. Zuerſt an's Schöne und Edle! Da mir im Augenblik einige Pfunde En- thuſiasmus mangeln, um Ihnen über den Tanz der Hore n wenn mir an ders dieſer Ausdruk vergönnt iſt, da meine Lieblingsnamen ſchon in andern Blättern erſchöpft ſind der beiden Elsler, genügend referiren zu können, führe ich blos das Auftreten derſelben für die Armen in Baden an, das uns den trefflichſten Beweis liefert, daß ſie nicht blos vollendete Künſtlerinen ſind, voll Anmuth, Reiz und Grazie, ſon dern auch Wohlthäter der leidenden Menſchheit. Nachdem uns die beiden Sylphyden die genußreichſten Abende verſchafft haben, werden ſie uns näch ſtens wieder verlaſſen. Unſere herzlich ſten Glükwünſche geleiten ſie! Nach monatlangem Schluſſe wurde das k. k. Hofburgtheater mitIphigenie auf Tauris wieder eröffnet. Während des Schluſſes ſind mehrere Verände rungen, reſpektive Verſchönerungen darin vorgenommen worden. Herr Grohmann, vom Leopoldſtädter Thea ter, ſo wie Hr. Quandt, der eben da ſelbſt gaſtirte, verlaſſen uns demnächſt. Es ſind zwei tüchtige Künſtler. Guer ra mit ſeiner Geſellſchaft iſt immer noch hier, hat aber meiſt ein ziemlich leeres Haus. Dagegen findet er ſeine Rechnung auf dem Wiedner Theater, das ſeit 14 Tagen ununterbrochen das große Spektakelſtük:Die Räuber in den Abruzzen gibt, und worin deſſen Geſellſchaft mitwirkt.

Caroli.