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den Großbritannien jemals geſehen hatte. Die Berge des antiken Schottlands hatten dieſen berühmten Helden geboren werden ſehen; überall in dem verei— nigten Königreiche erſcholl der Ruhm ſeiner glorreichen Thaten., denn überall bezeugte die Anzahl der Kinnbaken, welche er zerſchlagen, ſeine Tapferkeit und ſeine Stärke. Die zweite Illuſtration war der junge Samuel Thompſon, an den Küſten des irländiſchen Meeres im Fürſtenthum Wallis geboren, ein durch ſeine vortrefflichen Strümpfe und ſeine Flanelle berühmtes Land; Sa⸗ muel hatte ſich ſchon früh durch tauſend Glanzthaten ausgezeichnet; allein, ohne Widerſpruch, die ſchönſte hatte in der Gegend von Norfolk ſtatt, wo er den Ruhm hatte, ſeinen Gegner mit ſeiner furchtbaren Fauſt zu tödten.
Die Erde kann jedoch nicht zwei Cäſaren zu gleicher Zeit tragen. Als John Bull(die Londoner tägliche Zeitung), das offizielle Organ der Boxer, und der Homer der Hahnenkämpfe, ſeine Trompete angeſezt hatte, um der Welt zu verkünden, daß der junge Thompſon ſich durch Erſchlagung eines Men— ſchen unſterblich gemacht habe, wurde Simſons große Seele von dem fürchter— lichen Neide zerriſſen. O Schmerz! o Verzweiflung! rief er, ſein Geſicht mit ſeinen Händen verhüllend, Thompſon, der glükliche Thompſon, hat einen Menſchen getödtet, ich aber, was habe ich gethan? welche That meines Lebens ließe ſich mit dieſer Großthat vergleichen? alle meine Trophäen beſchränken ſich auf ausgeſchlagene Augen, und auf breit gequktſchte Naſen; das iſt Alles.
Ich habe den Szepter des Boxens verloren; das Glük verläßt mich und wird
an mir zum Verräther. Aber auf einmal ſtrahlt, bei einer plözlichen Verän— derung, ein Glanz von Glük in ſeinen Zügen, ſeine Augen funkeln lebhaft, und ſein erhabener Mund ſpricht mit einer Donnerſtimme die merkwürdigen Worte:
— Freunde, verzweifelt nicht; ich bin noch der König der Boxer, ich
werde es immer bleiben; ich fordere Thompſon heraus, ich erwarte ihn binnen vierzehn Tagen zu Salisbury, und ich wette tauſend Guineen gegen fünfhun— dert, daß die Fauſt, welche zu Norfolk ſiegte, dieſe hier nicht beſiegen wird. — Hurrah, hurrah für Simſon! Simſon lor ever! Es iſt mir unmöglich, den Wahnſinn, das Entzüken zu beſchreiben, worin dieſe Herausforderung ganz Großbritannien verſezte, als es vernahm, daß der von Simſon ſo kek hingeworfene Handſchuh von Thompſon aufgenom⸗ men worden ſei. Nue Ihr, die Ihr die Liebe unſerer edeln Nachbarn zum Boxen und zu den Hahnenkämpfen kennt, nur Ihr allein vermöget dieſes Ent— züken zu würdigen. Bei dieſer Nachricht geriethen alle in Bewegung: Eng⸗ länder, Schottländer, Irländer, Walliſer. Es handelte ſich ja um den Ruhm eines Landes; denn fiel Thompſon unter Simſon's Fauſt, ſo war es um die Ehre des Fürſtenthums Wallis geſchehen; ſiegte hingegen Simſon im Kampfe, ſo waren die Lorbeeren des jungen und unglüklichen Thompſon, verwelkt durch dieſe Niederlage, nichts anders werth, als in's Feuer geworfen zu werden.
Man denke ſich nun dieſe Ungeduld, mit der dieſer große Tag erwar⸗ tet wurde. Die Tage wurden zu Monaten, und die Stunden zu Wochen. Als er endlich anbrach, eilte der hohe Adel, die Gönner der Boxer, nach Salis⸗ bury. Nie ſah man es glänzender; aber auch nie zeigten ſich die Boxer wür- diger aufgemuntert zu werden, niemals hatte man Hoffnung zu einem ſchönern Schanſpiel. Aber ach! in dem Augenblik, wo der ganze verſammelte Adel nur
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