Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
487
 
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züge der Lieder und Chöre und die der Wiener Theaterzeitung nachgedrukte Biographie Naimunds nebſt ein Paar Gedichten auf denſelben 5). Auch in Wien geht aber der Spekulationsgeiſt nicht aus. Kaum wirthſchaftet ein Hr. Schweikhart oder Schmuker oder Ber ger, oder wie alle die werthen Herren heißen mögen, ab, ſo taucht ſchon wie der ein neuer namenloſer Name mit einer Unternehmung auf, welche eben ſo viel werth iſt als die früheren. Diesmal heißt der große Autor: Paul Pretſch(2) und das Werk heißt:der Erzähler, eine Auswahl anziehender Aufſäze der neueſten Fremd-Literatur. Das Bändchen 12 kr. C. M. Wir müſſen geſtehen, daß wir ſchon lange mit großer Erwartung dieſem Werke entgegen geſehen haben und dem Hrn. Paul Pretſch es nicht genug Dank wiſ ſen können, daß er unſere Literatur mit ſo etwas Außerordentlichem bereicherte. Pietznigg hat wieder angefangen ſeine bereits eingegangenenMittheilungen aus Wien herauszugeben. DieOb der Ennſiſchen Gedichte des Franz Stelzheimer ſind bei Rohrmann bereits in ſehr anſtändiger Ausſtattung an das Licht getreten, und dürften, wenn nicht der fremdartige Dialekt ein Hin⸗ derniß iſt, eine freundliche Aufnahme finden.Das neue Exerzier-Regle⸗ ment, ein wichtiges Buch für junge Militärs, liegt bei Sollinger unter der Preſſe. Dr. Rudolph von Vi⸗ vanot, Grutſch, Franz Hölzl u. Adolph Müller haben wieder mehrere Lieder von Vogl in Muſik geſezt, welche ehe ſtens, theils bei Diabelli, theils bei Haslinger, erſcheinen werden.*

) Das Ganze ſcheint indeſſen ſogar ein Nachdruk einer früher in Peſth, bei Gelegenheit der erſten Auffüh⸗ rung des, Verſchwenders, erſchie⸗ nenen ähnlichen Brochüre zu ſein.

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Mignon⸗Zeitung.

Buntes aus Paris. Ein hieſiger Spekulant hat etwas ganz Neues als Gegenſtand einer Aktienun⸗ ternehmung erſonnen, nämlich die Vil dung von Jagdhunden. Sobald eine gewiſſe Zahl von Aktien abgeſezt und eine bedeutende Summe(wenigſtens eine halbe Million, denn alle Projekt macher kennen nur das Wort Million) in die Kaſſe gefloſſen ſein wird, ſoll eine Anſtalt in's Leben treten, wo Hunde auferzogen, zur Jagd abgerich⸗ tet und dann verkauft werden. Es ſoll eine Hundefabrik im Großen werden, woraus die ganze Welt mit echten Jagd hunden ſich verſehen kann. Dieſer ſonder⸗ bare Plan hat bereits ein anderes Ge genprojekt zum Vorſchlag gebracht näm lich die Errichtung einer Kazenfabrik, wie Kazen zu allerlei Zweken erzogen werden ſollen. Da gute Jagdhunde ſehr geſucht ſind, meiſt ſehr theuer bezahlt werden und oft ſehr ſchwer zu bekom men ſind, ſo läßt die Spekulation mit einer Hundefabrik ſich wohl hören. Jezt macht man in Frankreich ſo⸗ gar Shawls aus Hunde haaren. Die der Pudel und Wachtel hunde liefern das feinſte Gewebe. Das wird ſo man⸗ che Dame noch feſter an ihre Schooß⸗ hündchen, oder Hunde knüpfen. Ein aus Neuorleans in Frankreich ange⸗ kommener Arzt hat einen jungen Kreo len von 9 Jahren mitgebracht, der, bei einer Größe von 43 franzöſiſchen Zoll, einen Kopf von 32 Zoll Umfang beſizt, deſſen Gewicht jenem aller übrigen Kör⸗ pertheile gleich kommt. Die Geſichts⸗ züge ſind ſanft und regelmäßig; übri⸗ gens iſt das Kind taubſtumm, und nur ſein Herr kann ſich ihm verſtändlich machen. Hier wird dieſes phrenologi ſche Phänomen großes Aufſehen erre gen. Eine andere intereſſante Erſchei⸗ nung ſteht den Pariſern in der Perſon