Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
481
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Vebuter Habeg auꝗ.

61. Mittwoch, 2. Auguſt. 1837. ..e

Wleſeln Dichter Natlonalgardiſt ſein ſo ll. Von Alexander Dumas.

Eines ſchönen Tages empfing ich, der ich mich zu nichts tauglich hielt, als mich meinen müßigen Träumereien hinzugeben, den Befehl, Wachtdienſte zu teiſten. Man hatte mich für würdig gehalten, die Kommiſſionaire mit ihren Paketen von Louvre und die Hunde von den Tuilerien abzuhalten. Zum Er⸗ ſaz erhielt ich dafür das Recht, vor dem Kreuze meines Varbiers präſentiren zu dürfen. Ich ſchikte zu meinem Schneider und ließ mir eine vollſtändige Uniform machen. Epaulets, Patrontaſche, Kamaſchen und Bärenmüze, es fehlte nichts.

Als ich aus dem Hauſe trat, kam ich mir ſo komiſch vor, daß ich glaubte, die ganze Welt müſſe mich auslachen. Ich lief und lief, und dankte Gott, als ich die Wachtſtube von weitem erblikte. Vei meiner Ankunft dort wurde ich mit Jubel empfangen, ich wollte mich bei meinen neuen Kameraden bedan⸗ ken, aber nur zu bald bemerkte ich, daß ſie mir nicht zu- ſondern mich aus⸗ lachten. Da ich im Voraus dagegen gerüſtet war, ſo drehte ich mich auf den Abſäzen herum, um ihnen noch mehr Spielraum für ihre Laune zu geben, bis mich endlich einer vor einen zerbrochenen Spiegel führte und mich darauf aufmerkſam machte, daß ich den Säbel über die Patrontaſche gehängt und die Bärenmüze verkehrt aufgeſezt hatte. Ich verbeſſerte den Fehler und ſezte mich ruhig in einen Winkel, um eine Ode von Victor Hugo zu leſen.

Als ich beim Umblättern die Augen aufſchlug, ſah ich plözlich den Kor⸗ poral vor mir ſtehen, und da ich glaubte, er wolle an meinem poetiſchen Ent⸗ züken Theil nehmen, rezitirte ich ihm die erſte Strophe.

Pah, ſagte er,was ſchert mich das dumme Zeug, es iſt Zeit, daß Sie Ihren Kameraden ablöſen. g 4

Ich ließ das Buch auf dem Feldbette liegen, nahm meine Flinte, und

trollte mich, um meine zweiſtündige Wache abzuſtehen.