Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
469
 
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war das Dnett im zweiten Akt mt Semiramis, in welchem der Sänger der Dem. Carl würdig zur Seite ſtand. Schade, daß die Wahnſinns-Arie im 2. Akt(wahrſcheinlich wegen Länge der Oper) weg blieb; Hr. Oberhoffer müßte ſie wunderſchön vorgetragen ha ben, da ſie ſo ſehr in der Sphäre ſei ner Stimme liegt. Er wurde etwa ſechs Mal gerufen. Hr. Stoll(Idre⸗ no) ſang, beſonders die erſte Arie, ſehr ſchön. Erwähnenswerth ſind auch Herr Nötzer(Ninus) u. Hr. Maſchek(Oroes). Hr. Anſchütz nahm als Wallenſtein und Mad. Anſchütz als Thekla am 22. Juli von uns Abſchied. Hr. Anſchütz war hier wieder an ſeinem Plaze(als Wetter von Strahl imKäthchen von Heilbronn war er es keineswegs) und faßte den koloſſalen Charakter mit ko loſſalen Kunſtkräften auf. Das Haus war(mit Ausnahme der Logen) ſehr voll und der ſtürmiſche Beifall und das zahlreiche Hervorrufen der ſchönen Lei ſtung angemeſſen. Mad. Anſchütz, die als Käthchen von Heilbronn wunderlieblich ſpielte, war diesmal nicht ganz in ih⸗ rer Sphäre, indeſſen doch ſehr ver dienſtvoll. Trefflich waren die Damen Kalis⸗Padjera und Deny, dann Herr Deſſoir(Max), die den Beifall mit den Gäſten theilten. Am 25. erſchien wieder ein Gaſt in der Oper, nämlich Herr Lehmann, vom Stadttheater in Lübeck, als Maſaniello. Eine ſchöne, jugendliche, volltönende Stimme, ein gebildeter Vortrag und ein verſtändi ges Spiel zeichnen dieſen Sänger auf den erſten Blik vortheilhaft aus. Je doch behalten wir uns bei einer zwei

ten oder dritten Leiſtung ein ausführli⸗ cheres Urtheil vor. Jezt nur ſo viel, daß er das Schlummerlied recht lieblich ſang u. in der Wahnſinnsſzene mächtig ergriff. Er erhielt ausgezeichneten Applaus u. ward wiederholt gerufen. Mad. Piehl (Elvira) ſang ſuperb und erfreute ſich gerechten Beifalls. Hr. Stoll(Prinz) brav. Hag.

Ofen.(Dem. Reichel. Hr. Wo⸗ the.) Die reichbegabte k. k. Hofſchau⸗ ſpielerin, Dem. Reichel, hat ihre Gaſt rollen auf hieſiger Bühne geendet und indem ſie in die Reſidenz zurükkehrt, läßt ſie gewiß den vortheil hafteſten Ein⸗ druk bei den Bewohnern unſerer Haupt- ſtadt zurük. Die ſchäzbare Schauſpielerin hat eine glänzende Vielſeitigkeit ent wikelt. Nachdem ſie Anfangs uns meiſt ſerjeuſe Gebilde der tragiſchen Muſe vorführte(als: Olga, Julie, Gri ſeldis), die alle den Stempel des Stu⸗ diums und des tiefern Erfaſſens an ſich trugen, führte ſie uns auch einen Cyklus heiterer Gemälde vor und legte den erfreulichſten Beweis ab, daß ſie ſich in dem Konverſationsfache mit nicht minderem Glüke bewege. So ſahen wir ſie am 18. ass Gabriele, am 19. als Königin von 16. Jahren, am 20. (in ihrer Benefize) als Adele Mäller, in dergefährlichen Tante und end- lich am 21. zum Leztenmale(wieder- holt) als Lucie, in BauernfeldsTa⸗ gebuch. Wenn gleich alle dieſe genann⸗ ten Rollen ſich einer gleich gelungenen Auffaſſung erfreuten, ſo war wohl die intereſſanteſte die Adele Müller, in Al- binis Luſtſpieldie gefährliche Tante, ſchon darum, weil die Künſtlerin darin Gelegenheit hatte, ihr ſchönes Talent in einer Doppel-Anſicht zur Schau zu ſtellen. Ueber den Gehalt dieſes Luſt ſpiels hat ſich bereits ein anderer Ref., bei Gelegenheit der Darſtellung in Peſth, in dieſen Blättern genügend ausgeſprochen, u. wir haben hier noch hinzuzufügen, daß es troz ſeiner Män gel hier allgemein gefiel. Die Darſtel⸗ lung trug aber das Meiſte hiezu bei. Namentlich wußte Dem. Reichel in der Hauptrolle den ſchlagendſten Effekt her⸗ vorzubringen. Sie war voll Anmuh, Grazie und nekiſcher Laune als Nichte, und traf den wahren Wirthſchafts- u. Moralpredigerton als Tante. Die bei⸗