Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
465
 
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piegel

Kunst, Eleganz und Mode.

Vehuter Saag.

59. Mittwoch, 26. Juli. 1837.

Expektoratlon eines Theatermannes, der noch nie be⸗ klatſcht und herausgerufen worden iſt.

Aus dem Argus.

...Beſcheidenheit iſt eine Haupt- und Kardinal-Tugend! Man muß auch bei den größten Verdienſten zur Anerkennung und dank haren Hul digung nicht heraus fordern, ſondern ſie ruhig abwarten! g

Das ſind Sentenzen, die ich längſt auswendig kann. Sie enthalten Wahrheiten, zu denen ein halbweg vortrefflicher Menſch ſich, ſo lang es ir gend gehen will, in der Regel gern bekennt.

Aber wenn das Verdienſt jahrelang ja, wohl bis an den Rand des Grabes vergeblich auf Dank und Preis gehofft und geharrt hat, und ihm endlich faſt alle Ausſicht ſchwindet, erkannt und gewürdigt zu werden lie- ber Gott, wer kann es ihm dann verdenken, wenn er endlich deſperat wird und die Anerkennung und Huldigung fordert, die man, ihm zu weihen, ſo lange vergeſſen hat 2! Wenn der Schuldner von ſelbſt nicht bezahlt, ſo muß der Gläubiger ihn mahnen. Wer lange genug vergeblich auf ein Or- densband gehofft hat, muß endlich in tiefſter Devotion, mit Aufzählung und Summirung ſeiner edlen Thaten und ſonſtigen Verdienſte, darum einkommen. und daher auch: wer hundert und tauſend Mal verdient hätte her aus⸗ gerufen zu werden, ohne daß es ein einziges Mal geſchehen iſt, nur Der darf in halber Verzweiflung wohl endlich flehen, daß es doch dann und wann, oder wenigſtens ein Mal, zu einiger Genugthuung für ihn geſchehe!

Wahrlich, das Publikum überbietet oft ſich ſelbſt in Großmuth und Gnaden gegen die Theaterwelt! Der Herausrufungen gibt es unzählige; und durch dieſe erhalten Kunſt und Künſtler die volle, ihnen gebührende Glorie. Es iſt doch etwas unendlich Herzerhebendes, wenn, nach gefallenem Vor hange, ein begeiſtertes Parterre oder eine enthuſiasmirte Gallerie an Händeklatſchen