Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
421
 
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Die eiferſüchtige Frau hätte wohl gern ſich auf italieniſche oder ſpani ſche Weiſe gerächt, wenn ſie das Herz dazu gehabt hätte. Allein Dolch und Gift verabſcheute ſie, und ſie beſchränkte daher ihre Rache auf eine eben ſo einfache, als ſeltſame Veſſerungs-Methode.

Alle Tage fand unſer Mann Salat auf dem Tiſch, allein ſeltſam genug ſo ſtark mit Zwiebeln und Knoblauch gewürzt, daß ihm ganz unmöglich wur de, in ſeine gewöhnliche Abendgeſellſchaft zu gehen, ohne alle Naſen gegen ſich in Aufruhr zu bringen. Sein Athem war verpeſtet, und ſeine beſten Freunde wollten ſich nicht mehr in Unter haltung mit ihm einlaſſen. Die Frau hatte aber im Sinne, ihn hierdurch von Leonoren zu entfernen, und dieſer vegetabiliſche Wohlgeruch erſchien ihr als das rechte Mittel dazu.

Als jedoch der Mann die Wirkung bemerkte, die der in der Zerſtreuung genoſſene Salat hervorbrachte, da machte er ſeiner Frau einige höfliche Ve merkungen über die unwillkommene Würze, und die Frau ſah ſich dadurch ge nöthigt, auf eine Rache zu denken.

Jeden Tag fand nun unſer Maͤnn auf ſeinem Kleide Fleken von Oel- farbe, obgleich er ſich nicht beſinnen konnte, an neu angeſtrichene Thüren ſich gelehnt zu haben. Seine Frau war dann ſtets ſehr bereitwillig, ihm die Fleken herauszubringen, allein mit einer ſolchen Doſis von Terpentinöl, daß der Geruch des verpeſteten Salats gleich Roſenöl gegen den abſtach, den jezt der arme Mann mit ſich führte. Erſt nachdem er zehn Mal auf ſolche Weiſe par fümirt worden war, überraſchte er eines Morgens ſeine Frau, als ſie ſich die Mühe gab, ſeinen Frak mit Oelfarbe zu koloriren, um ſpäter ihre Reini gungsmethode mit Nuzen anwenden zu können.

Jezt war auch dieſe Falle entdekt, und der Mann glaubte nunmehr ſi⸗ cher zu ſein. Schön gekleidet, in einem noch unterpentinirten Frak, und wei⸗ ßen Pantalons, ſtolzirt er andern Tages auf die Straße. Ein Kabriolet be gegnet ihm, das ihm auf den Leib fährt, und er vernimmt aus dem Innern des Fuhrwerks eine feine Stimme, die unter dem Schleier hervorruft:Kut ſcher, beſprizt nur den weißen Pantalon!

Kaum iſt das verhängnißvolle Wort heraus, ſo ſieht der unglükſelige Fußgänger wie eine Lilie aus, auf die man einen ganze Gießkanne voll ſchmuzigen Waſſers geleert hätte.

Was haben Sie gethan, Madame?« ruft der Mann, roth vor Zorn, und fällt dem Pferd in den Zügel.Sie wiſſen wohl nicht, wo ich hingehe?

Gewiß zu Ihrer Leonore.

Was Leonore! Ein mir ganz unbekannter Name! Nein, ich gehe zu Madame Palmyre, um Sie mit einem Bonnet zu überraſchen, wie es die Herzogin von Orleans trug.

Mein Gott! ruft die Frau entſezt;und morgen könnten ſie ſchon vergriffen ſein, und ich müßte wie lange warten, um eins zu erhalten. O ſchnell! ſchnell! kommen Sie nach Hauſe, um eine andere Toilette zu machen.

Und der Mann ſezte ſich in das Kabriolet und kutſchirte ſeine Ehehälfte heim, ohne jedoch den Wunſch derſelben zu befriedigen. Er ging nicht zu Ma dame Palmyre, und ſie ſprach den ganzen Tag nicht mehr von ihrer vermeint lichen Rebenbuhlerin.