Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
397
 
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ötlden bel den Melſten das Ziel. Ein Jeder wünſcht, die Vorrede zu einem neuen Vuche vom Montblanc, aus dem Golf von Neapel, aus Alexandrien oder wohl gar vom Atlas zu datiren. George Sand unterzeichnete die Vor⸗ rede zu ſeinemSimon und zuLeone Leoni von den Schweizer-Glet ſchern; Delatouche ſchrieb ſeineFragoletta' in Neapel, und unſer Heine bat ſchon Vorreden aus Verſailles, dem Size des majeſtätiſchen Rococo, erge⸗ hen laſſen.

Die Wohnungen ſolcher reiſenden Artiſten gleichen jezt vollſtändigen Mu⸗ ſeen. Alphons Royer, der Reiſende im Orient, beſizt allein für fünf⸗ zehntauſend Franken türkiſche Pfeifen, mit Bernſtein und Edelſteinen ver⸗ ziert; Gozlan hat die ſeltenſten Abdrüke antiker Reliefs aus Italien mit⸗ gebracht; Sande au, der frühere Mitarbeiter der Mad. Dudevant, von dem ſie auch ihren Namen Sand entlehnte, hat ein ganzes Arſenal voll Kand⸗ ſchars, Hätagans, Kriks und mauriſchen Säbeln. Bei Mery findet man eine andere, ſehr intereſſante Sammlung aller Original- Koſtüme der Schweiz, Italiens und der Türkei. Dieſe Sammlung enthält für fünfzigtauſend Fran⸗ ken Sammt, Wolle, Seide, Stikereien und koſtbare Gewebe. Mery' s Ka⸗ binet iſt ohne Widerſpruch eine der intereſſanteſten Merkwürdigkeiten von Pa⸗ ris, und die Maler geizen darnach, dort Koſtüme-Studien machen zu können. Denn nichts fehlt zur Vollſtändigkeit dieſer unzähligen Koſtüme. Die Waffen des kalabreſiſchen Banditen hängen um den Anzug, den er trug, der von den ledernen Kamaſchen bis zu der Hahnenfeder des Hutes vorhanden iſt; da gibt es Sandalen, Dol mans, Schärpen, befiederte Filzyhüte, Reze, Turbans, Fu- ſtanellen und Waffen aller Art. Mery trieb ſeinen Eifer ſo weit, daß er die Kleidungen ſämmtlich von den Leuten erſtand, die ſie im Leben wirklich tru⸗ gen, und ſo iſt jedes Koſtüm mit einer kleinen biographiſchen Notiz, gleich ſam wie mit einem Urſprungs⸗Certifikat, verſehen. Man findet dort griechiſche Koſtüme mit dem Blute, das ihre einſtmaligen Träger vor Miſſolounghi ver goſſen haben.

Die Liebhaberel Vietoe Hugo's für Gegenſtände des Mittelalters und Janins für hiſtoriſche Seltenheiten aus der Pompadour-Zeit ſind be⸗ kannt genug, und werden hier deshalb nicht erwähnt, weil wir nur von Rei⸗ ſenden ſprechen wollten.

Neueſtes Mittel, Fiſche zu fangen.

Das edle Beſtreben, die Thierquälerei abzuſchaffen, hat nun auch die Liebhaber des Fiſchfangs durchdrungen. Sie haben die mörderiſche Angel ab⸗ geſchafft und zu einem ſanftern Mittel gegriffen. Man wird geſtehen, daß eine verſchlukte Angel dem armen Fiſche eine zu unangenehme Empfindung verur ſacht haben muß.

Die Apotheker, oder, wenn man ſich edler ausdrüken will, die Chemie hat ein Mittel dazu an die Hand gegeben. Der Fiſch ſtirbt nunmehr eines ſanften Todes, eines Todes, um den die Menſchheit ihn beneiden muß. Er geht vom Leben zum ewigen Schlaf über durch eine Stufenleiter angenehmer Empfindungen; man berauſcht ihn; er ſtirbt gleichſam tanzend; er ahnt ſein