Kunst, Eleganz und Mode.
Veßuler Salbe gaug.
50. 5 Sonnabend, 24. Juni. 1837.
a aer Der Hauptort e rafſchaft in Irland iſt, während der Dauer der Aſſiſen, ein Schauplaz der ſchreklichſten Unordnung. Man ſollte glauben, die Gegenwart der Juſtiz, perſonifizirt durch die beiden ehrwürdigen, mit großen gepuderten Perüken verſehenen Richter, welche den beiden Gerichtshö⸗ fen vorſtehen, diene nur dazu, die Verlezung aller Geſeze herbeizuführen. Eine ungeſtüme und müßige Menge drängt ſich an gedachten Tagen in den Straßen. Man ſchlägt ſich, gegenſeitige Beleidigungen fallen vor; die Diebe und Vagabunden benüzen das Getümmel, ſchleichen ſich in die Häuſer, durch⸗ ſuchen die Schränke, entwenden was ihnen gefällt, treiben ſelbſt das Vieh vor die Stadt hinaus, und Abends berauſchen ſie ſich ſodann. Unter den Augen der Richter, ſelbſt innerhalb der Mauern, wo der Gerichtshof ſeinen Siz hat, werden die größten Verbrechen begangen. Der Sheriff und ſeine Trabanten ſind unaufhörlich beſchäftigt, Ruhe zu gebieten und Verhaftungen vorzuneh— men. Dieſe, alle ſechs Wochen wiederkehrenden Saturnalien der Unthätigkeit, der Händelſucht und der Schwelgerei, werden zuweilen durch Mordthaten be— zeichnet, immer aber durch Tumulte, Diebſtähle und Thätlichkeiten. Alles dies findet in unſern Tagen ſtatt. Vor ungefähr einem halben Jahrhundert war es noch ärger. Damals gab es noch keine bewaffnete Polizei, um Ord— nung ju erhalten, keine öffentlichen Wagen, wodurch man von einer Stadt in die andere kommuntzirt hätte; fünf Sechstheile der irländiſchen VBevölke— rung ſeufzten noch unter dem Joche der politiſchen Herabwürdigung; damals 8 chte der Richter Späße, indem er ſein Reſume zog, und wizelte auf den Angeklagten, den er verurtheilte. Die Geſchichte einiger dieſer Sizungen, ſo * wie ſie durch gleichzeitige Schriftſteller beſchrieben wurden, iſt ſchreklich. Fol⸗ gende noch ungedrukte Anekdote ſchien uns den Charakter jener Zeit treu wie⸗ der zugeben, ohne jedoch das Gemälde zu ſehr zu verdunkeln.


