Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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nach dem Hoſpitale. Man kennt den verdorbenen Geſchmak des franzöſiſchen Publikums, das in Romanen, Schau- ſpielen de., an Mord und Blut ſich weidet'; ſelbſt in den Geſellſchaften ſucht man die wonnigen Schauder zu genießen, welche durch das Hören oder Sehen von Gräßlichkeiten erregt wer den. Ein Beiſpiel fand man in einer der Soireen der Mad. Sophie Gay. Es hatte bereits Mitternacht geſchla gen, als die Fürſtin Beglioſo den Dich ter Mery aufforderte, eine ſchrekliche Geſchichte zu erzählen, welche der jun ge Fürſt von der Mos kowa, einer der ausgezeichnetſten Klavierſpieler, auf dem Pianoforte begleiten ſollte. Die Lichter wurden demnach fortgetragen u. es blieb in einer Eke nur eine dem Verlöſchen nahe Lampe zurük. Die Anweſenden rükten an einander; der Fürſt ſezte ſich an das Piano und Me ry ſtand auf. Was er erzählte, kön nen wir nicht berichten, aber er ſprach ſo viel als er vermochte mit einer ſtern Grabesſtimme. Er ſprach eine Stunde lang von nichts als Leichen, Blut, Kerkern, Ketten, Dolchen und Schreken. Das Piano hegleitete alle ſeine Worte und erhöhete durch ſeine düſtern Töne den Eindruk derſelben. Endlich baten die Damen um Gnade, und als man wieder Licht brachte, lagen zwei ohnmächtig an den Divans. Vor Kurzem erſchienen drei dem Anſcheine nach hochſchwangere Frauen vor den Thocen von Bordeaux. Eine derſelben erregte jedoch den Ver dacht der Zollbeamten; man verfolgte ſie, und ſie wurde bald darauf glüklich von 1200 Zigaren entbunden. Herr Ara go hat der franzöſiſchen Akademie Wit terungsbeobachtungen vorgelegt, wor aus hervorgeht, daß der niedrigſte Ther mometerſtand des Monats Mai in den lezten 50 Jahren 11 Grad Reaumur oder 507 Grad Fahrenheit war, und

daß der diesjährige Mai bieſem nie⸗ drigſten Stande ſehr nahe kam, da die höchſte Wärme 12 Grad Reaum. war. Der höchſte durchſchnittliche Thermo meterſtand war im Jahr 1810 mit 18 Grad Reaumur. B. Philadelphia. Endlich er⸗ fahren wir doch auch, daß der Rauſch vom lieben Gott nicht umſonſt geſchaf fen worden. Ein amerikaniſcher Arzt hat ein Hilfsbuch für Kranke unter dem Titel:Die Nauſchkur, geſchrieben, worin er vielfältige Beweiſe aufſtellt, daß der mäßige Rauſch von Champag nerweinen bei Rheumatismen, Nerven und Fieberkrankheiten die erfreulich ſten Dienſte leiſtet, und das durch dieſe erwärmende und belebende Körper- und Geiſtesaufregung der Krankheitsſtoff in ſeiner Wurzel erſtikt, und am ferne ren Ausbreiten verhindert wird. So bald die Kur ſich nur erſt bewährt, wird ihr der rauſchende Beifall nicht fehlen. D. London. Die Zeitung von Brighthon erzählt, vor etwa ſechs Jah⸗ ren ſei eine Dame Hallowaye von ih⸗ rem Liebhaber zerſtükelt worden, wie neulich die Mad. Dubois von Grena ere. Ein Kaufmann führte ſeine Frau und Tochter zu dem verſtümmelten Leichnam jener Unglüklichen, und ei nige Zeit darauf träumte das Mäd chen, man kündige ihr ein gleiches Un⸗ glük an. Wirklich wurde ſie drei Jahre ſpäter ermordet und ſo verſtümmelt, ohne daß die Juſtiz den Mörder zu entdeken vermocht hätte. M. Haag. Der berüchtigte Polari, der wegen des großen Diamantendieb ſtahls, welcher die Prinzeſſin von Ora nien betraf, im Haag im Zuchthauſe ſizt, will, wie man ſagt, einen aus⸗ führlichen Bericht über jenen Diebſtahl herausgeben und verſpricht, die end loſen Verzweigungen einer ungeheuer großen Geſellſcha ft von hoch- u. wohl⸗