ment nicht verkennen ließ. Er erhielt rauſchenden Applaus und man wünſchte allgemein, bald wieder Gelegenheit zu haben, ihn zu hören.
l.
Agram). Das hieſige Theater ſteht ſeit Oſtern dieſes Jahrs unter der Leitung eines wiſſenſchaftlich ge— bildeten Mannes, Dr. Hugo Chiollich von Löwenberg, der ein Abkömmling einer adeligen kroatiſchen Familie, und als belletriſtiſcher Schriftſteller in der deutſchen Literatur bekannt iſt. Hö— here Anſichten vom Weſen eines drama— tiſchen Kunſtinſtitutes haben ihn ſicher
bei den erſten Schritten ſeiner Unter-
nehmung geleitet, und ließen Gutes hoffen; aber Mangel an Erfahrung ver— führte ihn zu manchem Fehlgriffe, wo— durch die Theilnahme des Publikums nur zu bald geſchwächt wurde, und in ein offenbares Mißverhältniß gegen je— ne Unterſtüzung trat, worauf er wahr— ſcheinlich gerechnet hatte, und deren er ſo ſehr bedurfte, um ſeinen faſt idea— liſch angelegten Plan ausführen zu können. Im rezitirenden Schau- und Luſtſpiele, in der Parodie(2) wird un— ſtreitig Manches geleiſtet, was man höchſt gelungen nennen darf. Es iſt insbeſondere ein gewiſſer Ernſt und unermüdlicher Eifer, eine wohlthu— ende Vräziſton und Rundung im Zu— ſammenwirken zu bemerken, worüber mancher Unvollkommenheit der einzelnen Kräfte und Beſtrebungen nachgeſehen wird. Uebrigens hat auch jedes Indi— viduum bereits Gelegenheit zu glänzen und Beifall zu erringen. Ausgezeich— nete Lieblinge des Publikums ſind un— ter den Damen: Delle. Reinbeck, erſte Liebhaberin, eine höchſt angenehme Er— ſcheinung, eine ſinn-, gemüths- u. fan⸗ taſiereiche jugendl. Schauſpielerin, die nur den hochtragiſchen Parthien aus—
) Von einem andern Korreſpon— denten.
366
weichen ſollte; Delle. Revie, gegen— wärtig eine der vorzüglichſten Lokal— ſängerinen und Soubretten in der Oper, welche einen wohl begründeten Ruf mitbrachte, und hier volle Aner— kennung findet; Delle. Howe, eine Anfängerin, aber nicht ohne Veruf für die muſikaliſche Welt, mit einer fri— ſchen, biegſamen Stimme begabt, als zweite Sängerin engagirt, die bis jezt zugleich die Stelle der erſten vertritt; unter den Männern: Hr. Vanint, Dar— ſteller der Intriguants und chargirten Charaktere, der ſich einer bewunderns— würdigen Wirkſamkeit erfreut, aber bisweilen die ſubtile Linie überſpringt, welche zwiſchen dem Erhabenen u. Lä— cherlichen liegt; Hr. Baudiſch, Lieb haber, der ſich auf ſehr gutem Wege befindet, indem er durch einfaches Spiel der Natur u. Wahrheit getreu bleiben will, aber öfters doch den Zuſeher gar zu kalt läßt; Hr. Schweizer, Vater und Held, der mit einem herrlichen Stimmorgane begabt und ſehr routi— nirt, aber nicht frei von Manier iſt, und durch eine geſangsähnliche Dekla— mation die Kritik gegen ſich auffordert; Hr. Seufert, ein alter Bekannter und Liebling der Agramer, Sänger und Komiker, der durch ſeine Naturgaben Wunder wirkt, und wenn er in glei— chem Grade fleißig ſein wollte, in der theatraliſchen Welt Epoche machen müß— te. Außerdem verdienen Mad. Stöger, die Delles. Zöllner und Feidler, die Herren Stöger und Groll erwähnt zu werden. Für die Oper waren Anſtalten getroffen, von denen man ſich viel ver— ſpricht; aber der Erfolg blieb bisher, ſelbſt hinter billigen Forderungen, weit zurük. Ein einſichtsvoller, thätiger, routinirter Kapellmeiſter iſt in der Per— ſon des Hrn. Görgel vorhanden, ein braver, zahlreich genug beſezter Chor ſteht ihm zur Seite; aber die Sän⸗ ger, welche bis jezt debütirten, fielen


