Kunst, Eleganz und Mode.
Vebuler Haß.
43. i Mittwoch, 51. Mal. 1837.
Nummer ſechsunddreißig. (Wahre Begebenheit, von einem Augenzeugen erzählt.)
Unter kryſtallenem Gewölbe leuchten tauſend helle Gasflammen, die ſich in tauſend Spiegeln verhundertfältigen. Im Glanze dieſes künſtlichen Tages kiegen alle Reichthümer des Morgen- und Abendlandes zur Schau aus gebrei— tet; bunte, ſchwere Seiden- und Wollen-, Gold- und Silberſtoffe flattern von Spiegelwänden herunter und auf marmornen Geſtellen glizern hier Edel— ſteine, Perlen, künſtlich in Ringe, Spangen und Armbänder gefaßt, dort liegt Gold und Silber in rohen Stangen übereinander. Es hängen in Tro— phäen die herrlichſten Waffen: der krumme Säbel von Damaskus, der ſchmale PYatagan des Arabers in der künſtlich getriebenen ſilbernen Scheide, Piſtolen jeder Größe, zierliche Jagdflinten; auf der andern Seite ſtehen die prächti— gen Safianeinbände, reich und geſchmakvoll vergoldet, auf dem welßeſten Ve— lin abgedrukt, mit koſtbaren Kupfern verziert, die Werke der größten Geiſter aller Völker Europas. Zwiſchen dieſer Pracht treibt ſich eine dichte Menge einzeln und gruppenweiſe durch einander. Engliſche, italieniſche, ſpaniſche, deutſche, polniſche, türkiſche, arabiſche, franzöſiſche Worte und Reden ziſchen und wirbeln im bunten Chaos.
Ich luſtwandelte für mich durch das bunte Gewühl des Palais royal und träumte mich in ein arabiſches Zaubermährchen. Endlich fühlte ich mich von meinem Spazirgange durch die endloſen Gallerien etwas ermüdet und ſann eben darüber nach, wo ich am füglichſten meine Glieder ausruhen laſſen könn— te; ob ich in einem der glänzenden Kaffehäuſer meine demi- tasse trinken oder in einem Leſekabinet das tägliche Brod der allgemeinen Zeitung zu mir neh⸗ men, oder ob ich im estaminet hollandais zu einer Flaſche Bier meine Pfeife rauchen wollte. Eben hatte ich mich für lezteres entſchieden, als mein Auge zufällig auf eine der kleinen Thüren fiel, die in das Innere des Palais royal


