Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
332
 
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den norwegiſchen Künſtler hören wollen, als auf einmal dle Malibran und de Beriot in dieſer Stadt ankamen, um daſelbſt, noch am nämlichen Abende ihrer Ankunft, ein Konzert zu geben. Der Zufall wollte, daß ſie in demſel⸗ ben Gaſthofe abſtiegen, wo Ole-Bull wohnte; die Stunde näherte ſich, der Konzertſaal war bereite voll von Zuhörern, als ſich plözlich de Beriot unwohl fühlte. Der Gaſtgeber, der Ole-Bull ſpielen gehört hatte, benachrichtigt Mad. Malibran von deſſen Anweſenheit, und dieſe läßt ihn fragen, ob er es zu übernehmen wage, de Berkiot zu erſezen. Ole-Vull ſchlägt zu, und ſpielt bewundernswürdig, und von dieſem Augenblik an war ihm der Erfolg nicht nur in Florenz, ſondern auch in ganz Italien geſichert. Er erregte den lebhafteſten Enthuſlasmus in dem unermeßlichen Saale von San-Carlo in Neapel, und man verſichert, daß er daſelbſt neunmal dieſelbe Piece habe wie- derholen müſſen. Von Italien ging Ole-Bull wieder nach Paris, um ſeinen Ruf dadurch zu vergrößern, und durch ihn endlich uns auszubeuten. Er iſt fünfundzwanzig Jahre alt, und ſein Talent hat noch nicht einmal die Reife erlangt. Wenn er ſeinen unruhigen und ungeſtümen Geiſt beherrſchen, und die thörichte Anbeſtändigkeit, die die Zukunft ſo vieler Künſtler ſchon getrübt hat, ablegen kann, wenn er es über ſich gewinnt, die Verwaltung der Oper nicht zu übernehmen, und darauf Verzicht leiſtet, von einem Ende der Welt ſich an das andere zu begeben, ſo ſtehen wir dafür, und wir befürchten nicht, uns zu täuſchen, daß von jezt an in zehn Jahren ſein Glük gemacht iſt. Von allen Violiniſten, die wir bis jezt gehört haben, ſcheint uns Ole-Bull derjenige zu ſein, der am getreueſten in die Fußtapfen Paganini's getreten iſt; allein der Nachahmung gebührt immer der zweite Rang. Er ahmt übrigens ſein Vor bild ſo genau und ſonderbar nach, daß es ſchwer ſein würde, zu unterſcheiden, welcher von Beiden ſpielt, wüßte man es nicht ſchon vorher.

Wir dürfen nicht vergeſſen, noch des Violiniſten Ganiewiez zu erwäh⸗ nen, der in Polen geboren, längere Zeit ſich bei uns aufhielt. Er bewohnt gegenwärtig mit ſeiner Familie die Hauptſtadt Schottlands. Sein Styl ge⸗ gehört der Schule Viotti's, alſo der edelſten Schule an, aber das Feuer ſei⸗ nes ausdruks⸗ und würdevollen Vortrags iſt deſſen eigenes Verdienſt.(Lafont, Lipinsky und Vieuxtemps waren nie in England, ſonſt würden auch ſie hier eine würdige Stelle einnehmen.)

Glükliches Verſäumniß.

Einer der reichſten Männer in England iſt Hughes, der früher ein ar mer Geiſtlicher war und gegenwärtig ein jährliches Einkommen von mehr als 500,000 Thlrn. haben ſoll. Vor einigen Jahren war er Miteigenthümer eines dürren Landſtükes, um das Lord Uxbridge handelte. Man vereinigte ſich über den Kaufſchilling, der Lord hielt aber den Termin nicht, an welchem die Sa⸗ che völlig in Ordnung gebracht werden ſollte, und ſo zerſchlug ſie ſich. Auf jenem dürren Landſtüke wurden ſpäter die reichen Angleſeaer Kupferlager ge funden, aus denen Hughes ſein ungeheueres Einkommen bezieht. b