Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
320
 
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Der Modenbourier. (Paris, 10. Mai 1837.)

Die Mode kommt, die Mode geht, Die Mode weilet und beſteht.

1. Die anhaltend ſchlechte Witterung hindert uns noch immer in unſern faſhionab len Beobachtungen, und wir müſſen daher, wegen der Geringfügigkeit unſerer Modenbu letins, die Nachſicht unſerer geehrten Leſe rinen in Anſpruch nehmen. Nichts iſt noch entſchieden und es herrſcht eine mißliche un gewißheit, die uns in eine ſchwierige Lage verſezt. Ueberall begegnet man ein Gemenge von Sommer- und Wintermoden. Wir wol len hier das Bemerkenswertheſte und das am Meiſten Adoptirte mittheilen.

2. In den Reunions, die manein Thee nennt, und die in dieſem Augenblik ſehr in der Mode ſind, tragen die Damen größtentheils weiße Kleider von glattem oder brochirtem Organdie, ſowohl weiß auf weiß oder mit kleinen Bouquets von farbiger Wolle brochirt. Dieſe Kleider ſind gewöhnlich mit einer Falbe oder mit zwei diken Bauſchen, durch welche man ein farbiges Band zieht, garnirt. Den Leib ziert man mit ſchönen Spizen, eben ſo die kurzen und flachen Aermel.

3. Es iſt gebräuchlich, daß bei den Reunionen, die man sans fagons nennt, die Hausfrau eine Schürze von geſtiktem Seiden zeug oder Or gandie tragt.

4. Man tragt auch in Soireen und in Theatern Kleider von Tulle oder indiſchem Mouſſelin, auf welchen man die ſchönſten Nancyer Stikereien gewahrt.

5. Die Form des Leibes iſt gewöhn lich flach; die Aermel ſind bis an den Ellen bogen flach und haben zwei Bauſchen in der Höhe des Arms. Es gibt auch andere, die gänzlich flach ſind und die ober dem Ellenbo gen drei oder vier Reihen Garnirungen ha ben, die zu zwei und zwei abgeſtuft und ſe parirt ſind. Am Ende des Bindchens bringt man eine kleine Garnirung an, die auf die Hand fällt; manchmal iſt dieſe Garnirung doppelt.

6. In Theatern und Konzerten ſieht man Hüte von Reisſtroh mit kleinen Rän dern, nach Art wie dieſen Winter die Sammt hüte waren. Auf dieſen Hüten iſt ein weißes Federnbouquet oder eine Blumentraube von ſehr gutem Geſchmake.

7. Man tragt ſehr ſchöne Promena⸗ den Kapoten von weißem Gros de Naples. Dieſe Kapoten ſind gefaltet, und zwiſchen je⸗ der Kouliſſe iſt eine Treſſe von italieniſchem Stroh angebracht; eine ähnliche Treſſe umgibt den Rand des Schirms und das Bavolet. Dieſe Kapoten ſind mit einem Feldblumen Bouquet oder einer weißen Bandſchleife geziert.

8. Man bemerkt herrliche Kapoten von geſtikter Tulle oder Mouſſelin, mit Spi zen garnirt und mit weißer oder farbiger Seide gefüttert.

9. Die Hüte von durchbrochenem Stroh kommen wieder ganz in die Mode; es iſt aber auch eine der ſchönſten Koeffüren, die man im Sommer tragen kann; ſie vereini gen Solidität mit Leichtigkeit und ihre halbe Durchſichtigkeit ſteht zum Entzüken.

10. Man tragt in Konzerten ſtark Turbans von weißer Tulle.

11. Auch gewahrt man Häͤubchen von Tulleanglais, Bonnets à Ia Sylphide ge- nannt, welche mit Lilaszweigen geziert werden.

12. Die geſtikten Mantelets werden dieſen Sommer eine große Rolle ſpielen; ihre Form wird jene der ſchwarzen Mante lets ſein.

Konzert. Mittwoch den 24. Mat gibt der Klavierſpieler Hr. Louis Engel aus Wien deſſen erſtes Konzert am 5. Mai, wegen der außerordentlich üblen Witterung, nur ſchwach beſucht wurde, er aber nichtsde ſtoweniger das kleine Auditorium durch ſein ungewöhnliches Talent zur Bewunderung ſtimmte ein zweites Konzert im Redouten ſaale, wobei, unter andern ausgezeichneten Künſtlern, auch Dem. Klara Heinefetter mitwirken wird. f

Modenbild. Nr. 20. (Paris, 5. Mal). Reisſtrohhut. ue⸗ berrok von geſtikten Mouſſelin⸗Cachemir. Pelerine von geſtiktem Mouſſelin. Der Anzug des Kindes iſt nach neueſtem Geſchmak.

Halbſähriger Preis 4 fl., mit freter Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Kupferabbrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb det Waſſerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthandlungen zu Peſth und bel allen k. k. Poſtämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.