304 1
die Riemen nie, er bleibt unbeweglich auf ſeinem Plaze, während der andere Bediente jedesmal herabſpringt. End— lich bittet man ihn, gefälligſt auch ein— mal herab zuſteigen; er geht nicht; man wills ihn lehren, aber es war kein hölzerner Peter, ſondern ein blecher— ner und von oben bis unten aus voll von nicht zollfreien Gedanken; er dien— te, um Oel und Wein einzuſchmug— geln.— Wie man Varaplües und ba⸗ raſols hat, ſo iſt jezt ein ähnliches Inſtrument, Paracrotte, Schmu z⸗ ſchirm, erfunden worden, mit dem man ſich gegen das Beſprizen mit Koth auf den Straßen ſchüzt. Es wird zu 1 Frks. verkauft. B.
München. Von hier geht näch— ſter Tage eine Karavane von 80 Per- ſonen beiderlei Geſchlechts über Vre⸗ men nach Amerika ab. A.
Lokal⸗Zeitung.
Ku n ſt. Schreiber Dieſes hatte Gele⸗ genheit das Atelier des ausgezeichneten Ma- lers Maraſton aus Venedig zu beſuchen, und wurde im höchſten Grade überraſcht, einen Kunſtler ſolchen Ranges bei uns zu finden.— Wer meine Ueberraſchung theilen, und ſich einen Kunſtgenuß ſeltener Art ver⸗ ſchaffen will, der beſuche dieſes Atelier.— Der geiſtreiche Maraſton hat eben jezt meh⸗ rere Kunſtſtüke vollendet, die in jeder Bezie⸗ hung den Stempel der Vollendung tragen.— Frappante Aehnlichkei iſt das kleinſte Ver⸗ dienſt dieſes Kunſtlers; in der innigen Ver⸗ ſchmelzung einer vollendet techniſchen Ausfüh⸗ rung mit der geiſtigen Konzeption der Indivi— dualität, ſtebet er vollendet da.— Vorzüg⸗ lich feſſelten meine Aufmerkſamkeit zwei Män⸗ ner⸗Portraits. Welch eine geiſtige Fülle, Kraft und Adel in dieſen beiden Köpfen, neben dieſer Aehnlichteit!! Dieſes verſchiedenartige, der Natur ſo treu abgelauſchte Kolorit, dieſe ausdrutsvollen Ruancen in den Geſichtern, ja, ich mochte ſagen, dieſer Charakter in jeder einzelnen Hand lehren, daß die großen Mei⸗ ſter Paolo Veroneſe und Bonifaccio ſeine Vorbilder waren. Mit Entzuten verweilte ich vor dem großartigen Familienbild, die hochgeborne Gräfin Szapary mit ihren drei wunderlieblichen Kindern in Lebensgröße darſtellend. Es iſt wahr, ein Maler konnte ſo bald keine ſchönere und dankbarere Auf⸗ gabe finden, und dennoch wird es Demjeni⸗ gen, der die Originale nicht kennt, unglaub⸗ lich ſcheinen, daß dies Bild die frappant ähn⸗ lichen Konterfeis wirklich lebender Perſonen darſtellt; man iſt vielmehr verſucht zu glau-
ben, die kühnſte Fantaſte könne keine ſchö⸗ nern Engelsgeſtalten erſinnen.— Wie viel Poeſte, Gemüth und hinreißende Anmuth iſt in dieſem Bilde vereint. Kann man ſich wohl etwas Lieblicheres denken, als dieſen von der Mutterliebe verklärten Kopf, dieſes Lächeln, dieſes zarte Hinneigen des Oberleibes über die Kinder? als dieſes blondgelokte Mädchen, das muthwillig ſchäkernd den Naken der in
Zärtlichkeit aufgelöſten Mutter umfängt? Der.
Knabe, zu den Füßen der Mutter, unter Blu- men ſpielend, der als Gegenſtut ſeines ſchalk⸗ haften Schweſterchens, mit naiv kindlichem Ernſte in den Zügen, iezt ſchon zu ahnen ſcheint, ſeine Beſtimmung ſei hoher, als mit Blumen zu ſpielen, tritt durch die Kraft des Kolorits ganz in den Vordergrund!— An den ſtreng ernſten Zügen des Knaben erkennt man auf den erſten Blik den Vater. Und endlich das jüngſte Kind, auf dem Schooße der Mutter liegend, wie korrekt und kräftig die Zeichnung, wie durchſichtig und warm die Inkarnation! Welch unendlich ſchwierige Auf⸗ gabe fur den Künſtler: dieſe Abſtufung der Kinder jahre, dieſe ſchwierige Zeichnung des liegenden Kindes und dennoch wie gelungen in allen Theilen, wie erſtaunlich ähnlich ſämmt⸗ liche Köpfe den Originalen!! In jedem Bilde des geiſt- und gemüthvollen Maraſton iſt ei⸗ ne wohlthuende Harmonie, eine effet wolle Verſchmelzung von Licht und Schatten ſicht⸗ bar, und ſo wirkſam der, Totaleindruk ſeiner Bilder iſt, ſo meiſterhaft iſt er in der Aus⸗ führung ſelbſt der kleinſten Nebendinge.— Wer ſich von der Wahrheit des hier Geſag⸗ ten überzeugen will, der ſäume nicht, das Atelier(Joſephsplaz, im Kehrer'ſchen Haus, zweiten Stot) dieſes Kunſtlers zu beſu⸗ chen, der mit Bereitwilligkeit ſeine Arbei— ten zeigt, und ich verburge dem Layen ſowohl wie dem Kunſtkenner einen Kunſtgenuß ſelte⸗ ner Art! B. v. P.
Rappo. Dieſer berühmte athletiſche Künſtler, der den Cyklus ſeiner erſtaunlichen Leiſtungen im Theater endete, wird, nach einer Uebereinkunft mit der Direktion, eine neue Reihe intereſſanter Vorſtellungen im hie- ſigen Thurfuͤrſtenſaale nächſtens eröffnen. Der Saal wird zu dieſem Behufe auf das Ge⸗ ſchmatvollſte neu dekorirt ſein und die Pro⸗ duktionen werden durch Neuheit und Großar⸗ tigkeit friſche Ueberraſchungen bieten. D.
Dienſtag, den 16. Mat,
Benefize. Die d ſchäzten Sängerin Mad.
zur Beneſize der
Piehl:„Die Ballnacht.“ Mad. Piehl, Gräfin; Mad. Pohl-Beiſteiner, Page. Sehr intereſſant! 26 5
Modenbild. Nr. 19. (Paris, 25. April). 1. Strohhut. Ueberrok v. brochirtem Mouſſelin.— 2. Sei⸗ denhut. Fichu v. geſtittem Mouſſelin. : Der Schmetter⸗ ling.. l
4
Beilag
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


