Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
283
 
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die wir ziehen. Haben Sie viel romantiſchen oder kindlichen Sinn, ſo brennt die Lampe hell; ſind ſie ſehr geſcheidt oder Kritiker, ſo verdüſtert ſich der Schein. Kaum hatte er dieſe Worte geredet, als das Licht ganz ausloſch. Der Kleine faßte Johannes am Arm und zitterte, wie von Fieberfroſt ge ſchüttelt; der Angſtſchweiß brach ihm auf der Stirne aus, er war ganz klein zu ſammengeſchrumpft.Verbergt mich, ich bitt' Euch, und lauſt, was Ihr könnt. Johannes ſtekte den Kleinen in die Taſche und lief bis auf den Plaz, der das Ziel ihrer Wanderung ſein ſollte. Dort wollte er den Kleinen wieder aus der Taſche ziehen, aber der war indeſſen ſchon wieder ſo gewachſen, daß ſein Kopf aus dem Sak herausgukte.Sag mir nur, Kleiner, was iſt dir denn geſchehen? ſprach Johannes.Dort iſt eine ſichere, wohlbekannte Anſtalt, erwiderte dieſer,und wenn man der in die Nähe kommt, iſt es um Phantaſie und Licht geſchehen. Doch ſeht, wir ſind zur Stelle.

Johannes blikte auf; das Licht, von welchem Adelheid geſprochen, flim merte und eine Geſtalt ſchien ſich zu bewegen.Die Muſe iſt da, ſprach der Kleine.Kommt herauf. Ihr ſeht, ſprach er auf der Treppe,daß ich euch nicht getäuſcht, Alles iſt ſo unordentlich, wie es nur im Haus einer gelehr ten Frau möglich. Sie pochten; keine Antwort.Sie iſt gewiß mit ihrer Toilette beſchäftigt. Tretet nur ein. Johannes gehorchte.Richtig puzt ſie ſich, ſprach der Kleine.Wo iſt ſie denn? fragte Johannes.Seht Ihr ſie nicht am Fenſter? Eine dike Frau ſtand am Fenſter; ihr Alter mochte zwiſchen ſechzehn und ſechzig Jahren ſein, ſie neſtelte in ihren Haaren.Das iſt die Muſe, ſprach der Kleine. Dem Poeten erſtarb das Wort im Munde.

(Beſchluß folgt.)

Geheimnißvolles Abenteuer eines Taubſtummen.

Seit ungefähr zwei Jahren hat ein junger Taubſtummer bei einem Menſchenfreunde in Holſtein Aufnahme gefunden. Seinem Benehmen nach ſcheint er von guter Familie zu ſein, aber man konnte noch nichts Gewiſſes über ſeine Herkunft ermitteln. Der junge Mann beſizt treffliche Anlagen und man brachte ihn bald ſo weit, daß er ſeine Gedanken ſchriftlich mitzutheilen vermag. Nach ſeinen Schriften und ſeinen plumpen Zeichnungen hält man Marſeille für ſeine Vaterſtadt und ihn für den einzigen Sohn einer Wittwe daſelbſt und glaubt, dieſelbe habe ihn einem ſchwediſchen Kapitain übergeben, welcher ihn an einem dunkeln Orte eingeſchloſſen hielt. Er glaubt, das Schiff, auf das er gebracht worden, habe eine weite Reiſe gemacht, z. B. nach Oſtin dien und gibt beſtimmt an, es habe bei St. Helena angelegt, um friſche Le bensmittel einzunehmen. Nach einer andern langen Fahrt nahm man ihm eine Uhr mit einer Chiffre, die er angab, und brachte ihn in ein Boot, mit dem er ſich ſelbſt an das Land ruderte, wo er nach einiger Zeitj den Mann traf, der ihn aufnahm. Man hat bereits mehrere von dem Unglüklichen geſchriebene Bemerkungen, wie Zeichnungen, z. B. ſeines Vaterhauſes, der Straße, in der dies ſtehen ſoll und der Laden in der Nähe, nach Marſeille geſchikt und glaubt auf dieſe Weiſe die Wahrheit zu ermitteln.

Das ſchwediſche Schiff wurde von ihm ſo genau bezeichnet, daß man in Schweden den Kapitain entdeken und denſelben verhören konnte; er leugnete