Kunst. Eleganz und Mode.
Vebuter Gabe gau.
28. Sonnabend, 8. April. 1837.
Jeremiade eines Komponiſten über den traurigen Zwieſpalt italien iſcher und deutſcher Opern muſik.
Von Otto Nicolai,
k. preußiſchen Muſik direktor)).
Dieſe Worte ſind wanne. Deutſchen, und ſollten ſie ſolchen von ſei⸗ nen Landsleuten zu Geſicht ommen, die ſo parteiiſch ſind, von ihrem Lands⸗ mann eine ab olute Schmähſchrift auf italieniſche Muſik zu erheiſchen, ſo ſind dieſelben gebeten, dieſe Zeilen ungeleſen zu laſſen.— Ich reiſe in der Welt nicht mit einer vorgefaßten Meinung und mit der Idee, die Sachen ſo finden zu wollen, wie ich immer geglaubt habe, daß ſie ſein müßten: ſondern mit der Abſicht, die Dinge ſo ruhig und beachtend als möglich aufzufaſſen, zu das Beſte zu wählen, und, wenn ich Kraft genug dazu beſizen ſollte, ch ſuche vorurtheilsfrei zu ſein. Als ich vor drei Jah⸗ ren Italien betrat— ich brauche mich dieſes Geſtändniſſes, beſonders wenn ich mit Deutſchen ſpreche, nicht zu ſchämen, denn jedem in wahrhaft deutſcher Schule der Kunſt Erzogenen wird daſſel be begegnen— empfand ich einen ſo gro— ßen Widerwillen gegen die italieniſche Oper, daß ich am liebſten gleich wieder umgekehrt wäre! und heute finde ich doch manches Schöne darin!.... O, ich
ſehe ſchon, wie einige gele
prüfen,
und mit klugem Munde ſprechen:„Schade um den jungen Menſchen, er hat
ſich in Italien verdorben, denn böſe Beiſpiele verderben gute Sitten!“— je⸗ doch ich tröſte mich und antworte ihnen nur: Meine Herren, es iſt ſehr ſchwer ein wahrhaft richtiges Urtheil zu fällen! Belieben Sie damit nicht ſo ſchnell zu Werke zu gehen! Wir Deutſche könnten in ber Muſik Manches von den
) Aus dem Mailänder Echo, einem Blatte, das wir nicht genug empfeh⸗ len können. R.


