Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
193
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Veßuler Gbr gau.

25. Mittwoch, 29. März. 1837.

Georg Sand. Madame Dudevant)).

Wer iſt er, oder wer iſt ſie? Mann oder Weib, Engel oder Teufel, Täuſchung oder Wahrheit? So viel iſt gewiß, daß ſie einer der ausgezeich⸗ netſten Schriftſteller unſerer Zeit iſt. Aber woher kam ſie? Wie fand ſie mit einem Male jenen wunderbaren Styl von tauſend Formen? Und warum über häuft ſie die ganze Geſellſchaft mit ihrem bittern Spott, mit ihrer grauſamen Verachtung? Welches Räthſel iſt dieſer Mann, welches Phänomen dieſes Weib? Einige Zeit nach der Julirevolution, in jenen ſtürmiſchen Tagen, kam ein ſchöner, kleiner junger Mann mit lebhaftem, feurigem Auge, mit braunem Haar, lächelnder Miene und verſtändiger, aber neugieriger Haltung nach Paris. Er hatte für ſich ſeiren Eifer, ſeine Schönheit, ſeine Jugend, ſeinen Muth und ſeine Hoffnung. Was er in Paris ſuchte, wußte er ſelbſt nicht. Er wollte die Freiheit und die Poeſie, Leidenſchaften für ſein Herz, Thränen für ſeine Augen, Anregungen für ſeinen Geiſt, Worte und Farben für ſeine Gedanken finden. Woher er kam? Daran liegt uns nichts. Aber gewiß kam er daher, woher die großen Dichter und Schriftſteller kommen. Was ließ er hinter ſich? Auch daran liegt uns nichts. Er verließ, was man verläßt, wenn man Abſchied von dem Leben und ſeiner Familie nimmt: die Ruhe, den Schlaf, das Glük. Seorges Sand war in Folge ſeines liebenswür digen Verſtandes, der zu gleicher Zeit ein männlicher und weiblicher iſt, bald ſo fröhlich und vergnügt, wie der Rekrut bei der erſten Schlacht. Er hatte bereits die Hand in der literariſchen Patrontaſche, um darin ſeinen Marſchalls⸗ ſtab zu ſuchen. Man denke ſich noch einmal einen jungen, hübſchen Mann mit kühnem Geiſte, mit breiter, verſtändiger Stirn, lebhaft, neugierig, ernſt haft, glüklich und ſtolz, ſo frei zu ſein, wie das Kind, das die Schule ver

) Hiezu das unſerm heutigen Blatte beiliegende fehr ähnliche Portrait.