Kunst, Eleganz und Rode.
Lebuler Sahra ang 5
21. Mittwoch, 15. März. 1837.
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(Beſchluß.)
„Wieder waren zwei Jahre vergangen,“ fuhr der Stadtarzt in ſeiner Erzählung fort,„während welcher Zeit ſich nichts Erhebliches in dem Leben meines Freundes zutrug; wenigſtens finde ich in ſeinem Tagebuche nichts als einige intereſſante Krankheitsgeſchichten verzeichnet. Jezt aber, als die heilende Zeit bereits anfing, jenes Ereigniß mehr in Hintergrund ſeines Herzens zu rüken, ſollte die Kataſtrophe des für ihn ſo wichtigen Erlebniſſes eintreten. Ich will aber das Tagebuch des Arztes ſelbſt erzählen laſſen, damit Sie ſich ganz in ſeine Seele hineindenken mögen.“
Er las:
„Unſere Jugend— ſingt Oſſian— gleicht dem Schlummer des Jägers am Hügel der Haide. Er entſchläft im Strahlen der Sonne und erwacht im Vrauſen des Sturmes: Blize fliegen umher, Bäume ſchütteln ihre Häup⸗ ter. Doch denkt er mit Freuden zurük an den Tag der Sonne, an die reizen—⸗ den Träume ſeines Schlummers.“— Auch ich denke zurük an die Tage mel⸗ ner Jugend, wo die weite Welt meiner Zukunft vor mir ausgebreitet lag, gleich einer grünen Au, von bunten Blumen durchwirkt, vom Abendſtrahl durchſchimmert. Frühlingsgrüne Au, wie trügeriſch warſt du! Dein Hinter- grund eine Einöde! Bunte Blumen, wie wenige von euch dufteten mir! Abendſtrahl, wie ſchnell biſt du in Nacht verſunken!— Wie iſt die Jugend ſo kurzſichtig! Doch, ſie muß es ſein; ſonſt würde ihr das einzige Eigenthum, das ſie beſizt, der beſeligende Traum der Zukunft geraubt ſein. Darum reut es mich nicht, ſo ſchön geträumt zu haben. Ich ſchaue mit ſüßer Wehmuth nach euch zurük, ihr zerfloſſenen Gebilde meiner Jugend; ich grüße euch in eurer namenloſen Ferne. Ihr ſeid dahingeſchwunden, weit, weit; doch ſchwelge ich noch in eurem Angedenken. Ich ſegne euch!—


