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Kunst, Eleganz und Mode.
Dehler Sahra q.
19. Mittwoch, 8. März. 1837.
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(Fortſezung.)
Ich komme wieder auf jene Begebenheit zurük.— Es iſt wohl überflüſ— ſig, Ihnen zu erzählen, daß die Dame, welche den Studenten ſo ganz bezau— berte, in vollem Reize der Schönheit und Jugend prangte; als Mediziner hatte er hierin gewiß kein gewichtloſes Urtheil und keinen ſchlechten Geſchmak. Sie war achtzehn bis neunzehn Jahre alt, ihrem Stande gemäß ſtets vornehm aber einfach gekleidet, trug einen rabenſchwarzen glatten Scheitel, unter wel— chem ein Paar ſchwarze Augen glänzten, die ohne den hier anweſenden Damen zu nahe zu treten, ihres Gleichen ſelten finden. Die brennende Gluth in denſelben wurde durch ein höchſt regelmäßiges Geſicht, auf welchem ſich eine hinreißende Sanftmuth abſpiegelte, gemildert; mit einem Worte: ſie war eine äußerſt intereſſante Brünette.— Das Treiben des Studenten, der gerade nicht zu den häßlichen Männern gehörte, war ihr nicht entgangen, und nach und nach gewöhnte ſie ſich nicht nur daran, ſondern ſie freute ſich darüber; ſeine Blumen und ſeine Papierbuchſtaben ſagten ihr ſo Vieles. Sie verſtand es bald und las dieſe Schrift ſo gern. Sie antwortete ihm zwar nie auf ähnliche Weiſe, denn vor ihrem Fenſter ſah er nur immer Roſenbäume und Vergiß— meinnichtkränze, aber ihre Blike ſagten ihm ganz deutlich, daß ſie ihn ver— ſtanden, und daß er ihr nicht gleichgiltig ſei und manche gefallene Maſche beim Striken und mancher Fehlſtich beim Stiken hätten auch andere Lrute überzeu— gen können, daß ihre Augen nicht immer auf ihre Arbeit gerichtet waren. Bald merkte er, daß ſie weniger als ſonſt und endlich faſt gar nicht mehr ihr Zimmer verließ und, ſo oft es nur anging, den Plaz am Fenſter inne hatte, den er am beſten überſehen konnte. Mußte ſie das Fenſter verlaſſen, ſo hatte ſie noch immer, wenn ſie bereits von ihrem Plaze aufgeſtanden war, an dem— ſelben etwas zu ſchaffen, während einige Blike ſchnell nacheinander ihren


