Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
136
 
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nen. Die ſpaniſchen Zeltſchriften nen⸗ nen dies eine heldenmüthige Handlung, welche bis dahin den ſpaniſchen Behör⸗ den unbekannt geblieben. A. Brüſſel. Ein hieſiges Blatt erzählt, ein hier wobnender Englän⸗ der, der um theuern Preis ein kurz ſichtiges Pferd kaufte, habe ihm ein Paar elegante Brillen machen laſſen, und ſei mit ihm häufig auf den Bou⸗ lewards zu ſeben. 3

Local-Zeitung.

Muſtk. Das dritte Konzert des Hen Vleurtemps fand am 26. Febr. ſtatt. Wieder zog es eine äußerſt zahlreſche Verſammlung

langen wlederholt) in einem Konzerte e Komposition boren, dann in S dem Pirate, ebenfalls eigener Kompoſition und ſchließlich in ungariſche Varlationen fur Violine und piano, eigends fur Peſth kom⸗ vonirt und vorgetragen von ihm und Herrn Kavellmeiſters Eckel. Wir beziehen uns auf das bereits Geſagte üder dieſes muſikall Pbänomen, und fügen nur hinzu, daß er di mal Erſtaunenwürdiges leiſtete, und wenn moglich noch mehr als vocher entjukte und enthuſtasmirte. Herr Erkel trug ſeinen Part auf dem Piano mit großer Virtuosität ver und erwarb ſich den Belfall aller Kunſtkenner Die Kompofition iſt ſehr werthvoll. Als Zwiſchenſtüke horten wir ein Lied von Hackl, ſehr zart und gemuthlich vorgetragen von Hen. Oberhoffer. Sehr intereſſant war die Dekla⸗ mation eines Gedichtes in oſterreichiſcher Mundart:'S Heaz am rechten Fleg, nach dem Gemälde: le mauvais sujet, gedichtet von Raics, vorgetragen von Hen. Rokt. Dle⸗ ſes artige Gedicht reiht ſich würdig ähnlichen Arbeiten eines Joh. Gabr. Seidl, eines Ca⸗ ſtelli u. ſ. w. an. Es hat eine treffende Poln⸗ le u. recht gemüthliche Einzelnheiten. Es er⸗

an. Der junge Künſtler ließ ſich(auf Ver- hielt vielen Beifall. Hag.

Genre- Bilder. Nr. 2.

Der Leſegierige. Dieſes, nach einem engliſchen Originale gearbeitete Cha⸗ rakterbildchen hat ſo vielen phyſtognomiſchen Ausdruk, daß es kaum elner weitern Erklä⸗ rung bedürfte. Der Mann, den wir an einer ziemlich gut beſezten Tafel gewahren, und den das engliſche Originalan absorbing subject nennt, ſcheint eln Schelftſteller von pro- viſion zu ſein: ſchon ſein hohlwangiges Geſicht und ſeine knochige Körper⸗Beſchaffenheit mo⸗ gen darauf hindeuten. Mehr als Alles aber drüken Heißhunger ſeine Zuge und Muskeln aus. Nicht ſowohl aber ſcheint ſein Appetit nach den ſo einladend vor ſich liegenden Speiſen und Getränken, als nach dem aufgeſchlagenen Buche Verlangen zu tragen; ja wir ſehen ihn ſogar, wegen der Nahrung des Geiſtes, jene des Magens vernachläſſigen. So ergreift er, ganz vertieft in ſeine Lektüre, die Waſſerflaſche, gießt ihren Inhalt, ſtatt in das ne⸗ benſtehende Glas, in die Platte, und verdünnt ſich wider Willen ſeine Sauce. Meſſer und Gabel, dieſe ſo nothwendigen Werkzeuge zu einer beſezten Tafel, bemerken wir nicht, wüh⸗ rend der Löffel ſich in der wäſſerigen Sauce befindet. Unſerm Llteratus mögen jene wohl auch ſchon abgegangen ſein; er fand ſie nicht. Was liegt daran? Er langt mit den Fingern in die Schüſſel. Hätte er aber ſein Buch vom Plaze gerükt, ſo würde er geſehen haben, daß er es in einer aus Leſegier erzeugten Zerſtreuung auf Meſſer und Gabel poſtirte. Aber was mag denn dieſe Lektüre ſo gar Anziehendes enthalten, daß unſer Mann ſie lleber als den Braten und den Burgunder verſchlingen möchte?? Das Vuch handelt von elner Materie, über die er ſchon ſelbſt ſo viel geſchrieben. Er findet darin ſo Bleles, daß mit ſeinen Prinzipien und Anſichten, die ihm vielleicht ſchon manche Anfechtungen verurſachten, übereinſtimmt; er wird wohl gar hie und da zitirt oder lobpreiſend erwähnt, und wir leſen in ſeiner Phyſtognomie, wie er im Geiſte über ſelne literäriſchen Gegner und Kritiker trium⸗ phirt, und wie er nicht erwarten kann, ſeine Meinung in einem neuen Werk mit um ſo

größerm Nachdruk zu verfechten, da er ſo eben ſolch einen gewichtigen Gewährsmann gefunden. l.

Halblähriger Preis 4 fl., mlt freler Poſtiuſendung 3 fl. Auf Belintarler mit erſten Kurferaberites 5 fl. und poſtfret 6 fl. C.. Man pranumerirt im Kommſſſientamt iu Oen(Fung, auterbalt det Waſſerthort), in Ferdinand Temalat Kunſthand lung zu pen und bet ain k. t. pefämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wleſen.