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war von der Partie. Das Gedränge auf den Boulevards war betrachtlich, und ſchwerlich dürfte das diesjährige Feſt von Longchamps eine größere Menge ſo höchſt eleganter Wagen auf— zuweiſen haben.— Der erſte Ball, den der franzöſiſche Strauß(Mufard), in dieſem Jahre gab, war einer der be⸗ ſuchteſten. Man drängte ſich hinzu nicht blos des Vergnügens wegen, das dieſe Bälle ſtets gewähren, ſondern auch um dem beliebten Muſiker Veweiſe der Theilnahme zu geben, da er erſt kücz⸗ lich von einer ſchweren Krankheit ge— nas, und auch ſchon in den Journalen todt geſagt wurde. Um dies gut zu machen, gehen die Blätter jezt ſo weit, zu behaupten, Muſard ſei ein Gott, und könne daher nicht ſterben! Es iſt nicht zu glauben, wie weit die hieſi⸗ gen Redakteurs ihre Fanfaronaden trei— ben.(Die Franzoſen verſtehen indeſ— ſen Scherz. Aber über die ſerieuſen Fan— faronaden deutſcher Enthuſiaſten, wenn es ſich etwa um einen Strauß, einen Raimund handelt, geht nun einmal nichts!).— Wie wenig auch die Fran— zoſen es verſchmähen, deutſche Dichter auszubeuten, ohne aber ſo gewiſſen— haft zu ſein, ihre Quellen zu nennen, bewies mir ein Stük, welches kürzlich im Theater der Porte St. Antoine aufgeführt wurde, und das nichts mehr und minder iſt, als die Poſſe„Rit⸗ ter Roßſtaub“', von Maltitz, die ich mich erinnere, vor vielen Jahren im königſtädter Theater in Berlin geſe⸗ hen zu haben. Der franzöſiſche Ver— faſſer iſt der bekannte Paul de Kock, von dem ſchon viel ins Deutſche über— tragen wurde, und es iſt möglich, daß irgend einer der vielen Ueberſezer, die mit der deutſchen dramatiſchen Litera tur nicht ſehr vertraut ſind, und nur immer nach neuem Ueberſezungsfutter ſpähen, das urſprünglich luſtige, der— be, berſifizirte Stük in einer ſchlecht
franzöſirten Proſa dem deutſchen Thea⸗ ter wieder anbieten, und daß dieſes dann öfter gegeben würd, als das Ori— ginal, das ſich ſolcher Ehre nicht zu erfreuen hatte. Es ſcheint am Ende, als ob deutſche Stüke beſſer würden, wenn ſie den Rhein paſſirt haben, wie gewiſſe Biere, wenn ſie eine Seereiſe machen.— Die Omnibus Restaurans, die ſich für jezt erſt als Cale Restau- rans beſcheidentlich zu zeigen anfangen, haben großen Zulauf, und man glaubt darum, daß die Geſellſchaͤft, an deren Spize der unermüdliche Vicomte de Botherel ſteht, endlich ihre große Auf— gabe löſen werde, und daß dieſe Lö- ſung nahe bevorſteht. B 51 Buntee aus London. Zu Brendford führte neulich wieder ein Mann ſeine Frau mit einem Strik um den Hals auf den Markt, um ſie zu verkaufen, weil ſie einen Liebhaber beſize. Dieſer kaufte ſie um einen So— hereign, und Beide entfernten ſich un— ter den Verwünſchungen des Volks.— Die italieniſche Oper in London iſt unter der Leitung eines Stuttgarters, Hrn. J. Benedikt, auf ganz unglaub— liche Weiſe in der Meinung des Pu⸗ blikums geſtiegen. Neulich wurde eine von dieſem ausgezeichneten Tonſezer komponirte neue Operette, Un' aund ed un giorno(Jahr und Tag), zum Viertenmale wiederholt. Sie erhielt ſchon bei der erſten Aufführung den ſchmeichel hafteſten Beifall, und die eng⸗ liſchen Blatter fällen über dieſelbe die günſtigſten Urtheile.— Nach einem engliſchen Journale hat O' Connell täg⸗ lich an Briefporto 100 bis 170 fl. C. M. zu bezahlen. M. Madrid. Don Juan Becarra. Richter in Madrid, hat die Sieſta, d. h. die Gewohnheit, gleich nach Ti— ſche zwei oder drei Stunden zu ſchla⸗ fen, geopfert, um länger ſich den Ge— ſchäften ſeines Amtes widmen zu kön⸗


