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und die Wälder gleichermaßen Nahrung für unſere Roſſe boten. Und durch Wald und Strom und Prairie, und über Hügel und Thal ging unſer raſtlo— ſer Ritt, bis wir in der dritten Nacht nach unſerem Aufbruche die Wachtfeuer unſerer Feinde fernher durch den Urwald blizen ſahen. So weit entfernt von dem Schauplaze ihrer Mordgräuel und bisher unverfolgt— hatten ſie ſich jezt in ſorgloſer Schwelgerei von ihrer eillgen Wanderung erholt. Mit Speiſe überladen ſchliefen die Meiſten von ihnen in ſchwerer Trunkenheit. Eine zu— verläſſige Wache ſchlief aber nicht; und die grauſigen Kehllaute ihres Lieds, mit dem ſie ſich wohl wach zu erhalten ſuchten mochte, klangen ſeltſam in das Rufen der Eule, in das langgehaltene ſchauerliche Geſchrei der Wölfe und in, das ferne Krachen der Bäume, die in den Wäldern unter der Wucht der Zeit ſtürzend zuſammenbrachen.
Der Grund, der mich hieher geführt hatte, machte es mir zur gebiete— riſchen Pflicht, der Erſte den erſten Gefahren entgegenzugehen; ſo ließ ich mich denn von den Gefährten zum Auskundſchaften und, nöthigenfalls, Be⸗ ſchleichen des Lagers abſenden. Ich unterdrükte faſt mein Athmen— das wik— de Pochen meines Herzens vermochte ich nicht zu unterdrüken!— als ich ſo, der Pantherkaze gleich, auf den Feind zukroch. Die hochgewachſene grimme Schildwache nikte aufrecht mit blinzelnden Augen über einem verlöſchenden Feuer. Ein gefallener Baum lag querhin zwiſchen dem wacht haltenden Wilden und mir, und hinter dieſem Schirme kroch ich von ihm unbemerkt weiter. Un— beachtet ſchaute ich, wie ich mich leiſe hinwand, manch' einen ſehnichten Krieger in tiefem Schlafe, faſt Angeſicht an Angeſicht; und einer fuhr, als ich an ihm vorüberkam, halb aus dem Schlummer und begann ſchlaftrunken die Weiſe ſeines vielgewöhnten„Eheowanna! ha, ha!“ zu lallen und ſank dann wieder in ſein Träumen zurük. Die Vorſehung, die Schüzerin der Unſchuld, leitete mich eben nach dem Zelte, in welchem Emma ſchlummerles in Thränen lag. Ihr raſches freudiges Zuſammenſchreken zeigte mir, daß ſie mich augenbliklich erkannt habe.„St! Jedes Wort bringt Tod. Folge mir. Wir ſind frei, oder ſterben zuſammen!“ Ich harre in athemloſer Ungeduld. In Tönen, die jedem andern, nur eines Liebenden Ohre nicht, unhörbar geweſen wären, flüſterte ſie:„ich bin gebunden.“ Ich ſchnitt die ſchnöden Bande von ihren geſchwollenen zarten Gliedern. Ich fühlte an meiner Bruſt den vollen vertrau— enden Druk der theuren, mir treuverlobten, Hand. Leiſ' und flüchtig, wie der Fußtritt der Zeit, ſtahlen wir uns hinweg. Mehr als Einer wendete ſich, als wir vorüberglitten, mit halbwachem Dehnen um und ſtrekte ſich dann wie— der mit einem langezogenen Seufzer zur Nuhe aus. Das leiſe Ohr des wacht— haltenden Kriegers ſchien das Raſcheln unſerer Füße im Laube aufgefangen zu haben; denn er richtete ſich hoch auf und warf einen ſcharfen, ſuchenden Blik nach allen Seiten hin. Unbemerkt glitten wir hinter einem Dornbuſch nieder. Unſerer Herzen pochten gleich ungeſtüm in Liebeszärtlichkeit und Schreken— in dieſem Augenblike der bängſten, entſezlichſten Erwartung. Der grimme Wächter hatte inzwiſchen den ganzen Schouplaz ringsumher bis ins Kleinſte ſpähend überblikt, ſchürte jezt ſein Feuer, ſchritt mit ſeiner dunkelfarbigen Geſtalt zweimal um die helle Lohe, gurgelte in dumpfen Trauertönen ſein „Eheowanna! ha, ha!“ und ſchien, als ob er ſich ſeiner Beſorgniſſe ſchäme, aufs Neue ſeinem behaglichen Halbwachen ſich zu überlaſſen.(Fortſez. f.)


