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nehmen konnte und mit wahcehaftem Vergnügen durchlas. Dieſes nett aus⸗ geſtattete Büchlein darf die freund— lichſte Aufnahme beim Publikum er— warten. Es enthält äußerſt liebliche Lieder. Die Ideen ſind neu, die Sprache ungezwungen und leicht, die ganze Ausführung reizend. Schöne poe⸗ tiſche Bilder, originelle Auffaſſung der Gegenſtände und Zierlichkeit im Vers⸗ bau vereinen ſich, um den Leſern Freude zu bereiten. Beſonders dürfte dieſes nett ausgeſtattete Büchlein Tonſezern zu empfehlen ſein; aber auch jeder an⸗ dere Leſer wird dieſe Lieder nicht un⸗ befriedigt aus den Händen legen. N.
Gotha. Der„Allgemeine An⸗ zeiger der Deutſchen“ enthält ſeit Kur⸗ zem mehrere Aufforderungen an Buch— händler, die zuſammenhängende Werke in Heften(nach einer eingeriſſenen Mode unſrer Tage) herausgeben, aber damit nicht zum Abſchluß kommen, ſo daß ſolche Unternehmungen zum Theil ganz liegen geblieben ſind, zum Theil nur ſo vorwärts gehen, als wollten ſie nächſtens ebenfalls, ermattet liegen bleiben. Es ließen ſich auch al— lerdings, außer den gegebenen Fällen, noch mehrere nachweiſen; beſonders ſieht es bei den vielen Heft-Werken, die dem Konverſations-Lexikon nachtreten, ſehr bedenklich aus. Da hat Mancher eine Anzahl Hefte bezahlt und nun nichts dafür, als ein fragmentariſches, ihn im Stich laſſendes Buch, wenn er etwas wiſſen will, das in dem Vier⸗ tel⸗ oder Drittel-Alphabeth, wie weit nun eben ſein Hülfsbuch gediehen, nicht zu finden. Die Herren Verleger ſollten wohl bedenken, daß es vielen Familien oder Einzelnen ſehr ſauer wird, auch nur zwanzig oder vierundzwanzig Mal ſechs, acht und zwölf Groſchen zu zah— len, womit ſie ſich nur einen ſteten Verdruß erkauft haben, wenn endlich das Ding ohne Ende iſt. Die gemein⸗
ten Verleger haden Vlelen ihr bischen Erſparniß entlokt und ſollten, eben weil ſie mit ihren Unternehmungen auf die ärmeren Volks⸗-Klaſſen ſpeku⸗ lirten, um ſo ſtrenger Wort halten, abgeſehen davon, daß dies unter allen Umſtänden ihre Pflicht iſt. G.
Mignon-Zeitung
Stuttgart. Die Würtember⸗ ger, die geſcheidten nämlich, ſehen mit Unwillen auf die von Herrn Dr. Ju⸗ ſtinus Kerner begünſtigten Spuk-Schau⸗ ſpiele, haben aber, laut öffentlichen Angaben, die Freude, der Geſellſchaft auf der Spur zu ſein, mit welcher dieſe neueinſtudirten alten Komödien aufgeführt werden. Das Oberamt Ulm nämlich hat einen Schneider, Dürre, aus Kirchheim, verhaften laſſen, ein Männlein, das ſich ſtark vom Geiſte des Branntweins beherrſchen läßt, aber im Gefängniß zu einiger Nüchternheit gebracht worden iſt. Da hat er denn nun ausgeſagt, wie es mit dem Spuk in Weinsberg und den andern angeb— lichen Geſpenſter-Kolonien ſteht, und hoffentlich wird man noch einige ſolcher Schauſpieler, die von der Leichtgläu— bigkeit der Schwachſinnigen zehrten, einfangen, wonach ſie dann eine Gra— tis⸗Vorſtellung am Pranger geben wer den.—.
Berlin. Der Buchhändler Dümm⸗ ler macht im Börſenblatte Folgendes bekannt:„Da ich mit der Verfaſſerin des Götheſchen„Briefwechſels mit einem Kinde“ in Rükſicht der Kommiſſionsge— bühren in einige Kolliſion gekommen bin, und ich mit unbilligen Leuten, vorzüglich aber mit Weibern, ferner nichts zu thun haben will, ſo fand ich demnach für nöthig, ihr die noch nicht abgeſezten Exemplare obengenannten Werkes ſofort zurükzuſenden. Es wird


