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freilich hier nichts Neues und beinahe täglich zu ſehen, allein der Plaz blieb noch voll, wie die Thore des Theaters ſchon geöffnet wurden, folglich ſtröm— ten die Leute in einem Kontinuo ins Theater. Um 6 Uhr war denn auch kein„Funke von einer Idee“ zu ei— nem Plaze. Delle. Lutzer enthuſſae— mirte und„furorirte.“ Vorige Woche gab man„Jeſſonda“, und Hrn. Wild ging auf einmal die Stimme aus, er trat dann vor, bat um Nach ſicht, indem ihm die Stimme verſage. Das Publi— kum behandelte dieſen gefeierten Künſt⸗ ler recht liebevoll, und wie ich höre, befindet ſich Hr. Wild auf dem Wege der Beſſerung. Ich muß noch der Ein— nahme des Hrn. Perrot hiee erwähnen, die uns ebenfalls einen genußreichen Abend verſchaffte. Die talentvollen, äußerſt liebenswürdigen Kinder unſeres ausgezeichneten Waldhorniſten Herrn Löwy wirkten an dieſem Abende mit, und gewährten uns einen wahren Hoch⸗ genuß. Man muß nur dieſen kleinen, kaum 8 Jahre alten Richard Eduard ſehen, wie er da ſteht mit dem Wald— horne, das beinahe, eben ſo groß iſt, als er, und wie er bedächtig das In⸗ ſtrument anſezt und in die Noten ſchaut und mit einer Leichtigkeit die reinſten Töne hervorzaubert. Als ich dieſen 8⸗jqährigen Künſtler den andern Tag geſehen habe, ſagte ich ihm viel Schönes von ſeinem geſtrigen Spiele.
„Wenn das Publikum nur zufrieden war,“ ſagte er. Ei freilich, lieber Kleiner, man hat dich ja herausgerufen! „Das iſt noch kein Beweis, wen ruft man nicht alles heut zu Tage heraus!“ meinte der Kleine.— Die großen Kleinen denken anders! Reinecke Fuchs.
Literatur.
Wien.(Literariſcher Kourfer). Die Ueberſezung des„Child Harold“
von Zedlitz iſt erſchlenen und theil⸗ weiſe vorzüglich zu nennen.— Schu⸗ macher beſorgt eine Ausgabe ſeiner Ge— dichte.— Dr. Rittler ließ einen neuen Roman:„die Giftmiſcherin““, in das Leben treten, welcher, nach der Victor Hugo'ſchen Schule, Meuchelmord, Schur⸗ kerei, Verzweiflung und Nlederträch⸗ tigkeit zum Hebel hat.— Bis 25. März erſcheint der 2. Band von RNal⸗ mund's Werken, er enthält„Moiſa⸗ ſurs Zauberfluch“ und„das Mädchen aus der Feenwelt.“ Der erſte Band findet in Wien bedeutenden Abſaz.— Die Aufmerkſamkeit des Wiener Publi— kums erregte ein neuer Kupferſtich von Lanzetelli, welcher in den meiſten Aus lagen der Kunſt handlungen zur Schau geſtellt iſt. Es ſtellt Raimund, als den Tiſchler aus dem„Verſchwender“, vor, umgeben von allegoriſchen Perſo⸗ nen und Atributen. Der Hintergrund bildet den Lieblingsaufenthalt dieſes genialen Dichters: Gutenſtein.— Der beliebte Kompoſiteur Hackel hat ſchon wieder zwei neue Lieder:„Frühlings⸗ wehmuth! und„Glokenſtimmen“ von Vogl in Muſik geſezt. Der als Mu⸗ ſiker bekannte Franz Hölzl hat ein Ge— dicht von Heinr. Kraft(einem jungen talentvollen Wiener Dichter) ebenfalls für Singſtimme mit Klavlerbegleitung komponirt, welches eheſtens dem Stich übergeben wird.— Dem Vernehmen nach ſoll Grillparzer ſeine lezteren dra matiſchen Leiſtungen:„der Liebe und des Meerers Wellen“, und„der Traum ein Leben“, zum Druke n
„Lyriſche Blätter“ von Johann N. Vogl. Wien bei Rohrmann. 1836. Der Verfaſſer der vorliegenden Sammlung hat ſich durch ſeine Balladen im In- und Auslande einen ſo ehrenwerthen Namen gemacht, daß Ref. dieſe lyriſchen Blätter mit dem beſten Vorurtheil in die Hand


