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denn ich hatte einen guten Plaz, von dem ich die Bühne beſchauen konnte. Da kommen mit einem Male zwei Perſonen daher; Perſonen, die zum ſchänen Geſchlechte gehörten und ich muß, will ich nicht ungalant ſein, meinen Plaz einräumen. Das ſchöne Geſchlecht lächelt, dankt, und ich ſehe mich in den Hintergrund zurükgedrängt. Das ſchöne Geſchlecht aber hatte Hüte auf und auf den Hüten Federn, und das ſchöne Geſchlecht iſt, wie Jedermann weiß, ſehr be⸗ weglicher Natur. Während der ganzen Zeit, daß es etwas zu ſehen gab, war das ein Neigen, ein die Köpfe Zuſammenſteken, kurz— ich bekam nichts, als den Fuß einer Solotänzerin und den Blumenkranz einer Choriſtin zu ſehen.— Und daran war nur das ſchöne Geſchlecht Schuld.— Ein anderes Mal kannte ich eine vornehme Dame, höchſt liebenswürdig, reich, ſchͤn, die ein angeneh⸗ mes Haus machte. Man aß trefflich bei ihr, aber dennoch ging ich nur ſelten bin. Nur manchmal trieb mich der Zufall, die Langeweile oder mein Unſtern, daß ich an ihren Geſellſchaften Theil nahm; denn ich muß es nur aufrichtig ſagen, die Dame pflegte ihren Gäſten ihre Gedichte vorzuleſen.— Gewöhn⸗ lich beſize ich Artigkeit genug, mich in kritiſchen Fällen auf ehrbare Welſe aus der Affaire zu ziehen und dann unterläßt man es nie, mich für einen Mann von Geſchmak zu halten. Vorgeſtern aber war ich auf eine merkwürdige Art zerſtreut, und als man mich fragte, wie mir das Sonnet gefallen habe, welches die Dame des Hauſes ſo eben vorgeleſen hatte, antwortete ich nalv: daß es mir ſchiene, als ob Flaſche und Rage keine richtigen Relme wären. Ich glaube feſt, daß ich nicht unrecht hatte; allein die Geſellſchaft war ande rer Meinung und Alles erhob ſich voll Verachtung gegen mich, well ich die Rükſichten gegen das ſchöne Geſchlecht außer Augen ſezte. Faſt hätte ich mit einem jungen Milchbart Händel bekommen, die ein Duell zur Folge gehabt haben würden, worin ich oder er den Tod gefunden hätten.— Auch beehrten mich ſchon Damen mit Einſendungen für dleſe Zeitſchrift. Elner derſelben machte ich einmal die höfliche Bemerkung, daß ihr Abſchreiber ihre ſchönſten Gedanken durch häßliche ort hographiſche Fehler entſtelle. Seit der Zeit ſeindet ſie mich an und ſprengt überall aus: ich hätte das ſchöne Geſchlecht beleidigt. — Wie ungerecht! Ich liebe und ehre das ſchöne Geſchlecht; allein es iſt mir lieber, es mit einem Kinde ſpielen zu ſehen, von dem es Mama genannt wird, oder wenn es Strümpfe ſtrikt, oder allenfalls ein wenig Klavier ſpielt.
Schönes Geſchlechs, die Nähnadel iſt dein Szepter und eine gefallene Maſche iſt dein Schlachtfeld!— Willſt du dich aber in literariſche oder künſt⸗ leriſche Kämpfe einlaſſen, ſo geſtatte es, ſchönes Geſchlecht, daß die Wahrheit zu deinen welblichen Ohren dringe. Gedenke nicht die Kritik mit den zwei Worten:„Schönes Geſchlecht!“ zu entwaffnen und erinnere dich: daß unge⸗ reimte Verſe, ſchlechte Proſa und vor Allem mit Dinte gefärbte Finger ſelbſt dem ſchönſten Geſchlechte nicht zur Zierde gereichen können.
Sympathetiſche Mittel.
1.) Wider die weibliche Sprödigkelt. Wenn eln armer Schluker verliebt iſt, die Sprödigkeit ſeiner Geliebten ihn aber durchaus keine Erhörung hoffen läßt: ſo kaufe er ein Loos auf eine Güterlotterie; ſobald der Zlehungstag da iſt, werſe er die Nummer ſeines Looſes in einen


